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CD: The Ongoing Concept – Saloon

By Chrblocom / 27. Dezember 2013

By Burnin‘ Heart Reports

Heiß erwartet wurde sie in Deutschland: die Platte von via theongoingconcept.com

Allein das Artwork der CD ist ziemlich hinreißend: Das Cover zeigt neben dem, passend in Westernschrift geschriebenen, Bandname und Albumtitel, wie sollte es anders sein, einen Saloon. Der Titel ist direkt mit in das Bild eingearbeitet. Das verleiht dem Album schon vorm Hören einen gewissen Charme – und könnte den in die Irre führen, der nicht weiß, was The Ongoing Concept für eine Musikrichtung einschlagen.
Schlägt man dann das Booklet auf, wird der erste Eindruck bestärkt. Auf der ersten Seite prangt ein gezeichnetes Saloon- Klavier, stilecht mit leerem Glas obenauf stehen und dem umgekippten Klavierhocker davor. Die letzte Seite zeigt einen ziemlich verwüsteten Saloon – und den dazugehörigen Barkeeper, der gelassen die Bar abwischt.
Die Songtexte sind allesamt mit sehr viel Liebe in verschnörkelter Schrift gestaltet. Das macht zwar das Lesen hier und da etwas schwer, verstärkt aber den Charme des Albums um ein Vielfaches. Neben den Songtiteln steht jeweils ein Datum – Die Jahreszahl bewegt sich dabei stehts um das Jahr 1881. TOC scheinen ihre eigene Zeitrechnung zu haben (;

Nun aber zum Album selbst: Es enthält elf Titel:

01 Let’s Deal The Cards Again
02 Saloon
03 You Are The One
04 Cover Girl
05 Little Situation
06 Sunday’s Revival
07 Sidelines
08 Failures & Fakes
09 Like Autumn
10 Class Of Twenty- Ten
11 Goodbye, So Long My Love

Der erste Track ist nicht direkt ein Song. Es herrscht Stimmengewirr, im Hintergrund leiert ein verstimmtes Klavier die immergleiche Melodie. Offenbar eine Szene aus einem Saloon – diese Vermutung bestätigt sich, als einige Stimmen deutlicher werden und man denen entnehmen kann, dass jemand Karten spielt – die Spieler haben das Klavierspiel dem Dialog nach auch satt. Plötzlich zerbricht ein Glas, das Klavier verstummt, die Schwungtür des Saloons knarrt. Man fühlt sich, als wäre man dabei. Die Sporen des Eintretenden klirren auf dem Boden. Der Stimmführer des Kartentischs scheint ihn zu verspotten: „Well, look who it is! Back for another game now, are we? We all know how that went last time“ Der pure Spott trieft aus diesen Worten. Der Angesprochene scheint etwas zu werfen, es klirrt…

…und schon geht es richtig los. „Saloon“ beginnt laut und scheinbar ziemlich durcheinander. Erst nacheinander ordnen sich Geschrei, Drums und E- Gitarre in ein wirklich erkennbares Schema – und dann kommt das Saloon- Klavier. Innerhalb von 15 Sekunden schafft es The Ongoing Concept, dass einem in Anbetracht dieser musikalisch total gegensätzlichen Verknüpfung der Mund offen steht und man eigentlich nur noch auf den Song abgehen möchte. Die Variation aus richtig hartem Rock und beinahe schon ironischer Westernmusik zieht sich durch den ganzen Titel, im Hintergrund ertönt immer wieder das Klavier und unterschiedlichste rhythmische Variationen machen den Song verdient zum Titeltrack des Albums.
Textlich steckt da ebenfalls sehr viel dahinter: Es geht darum, seinen Platz zu finden – und um die Menschen, die einem das schwer machen wollen. Am Ende steht die Aussage: „Hey Y’all, we’ve got a cheater in the house. You’re not getting away with your trickery„. Wir haben einen Betrüger im Haus. Aber du wirst mit deinen Tricks nicht so einfach davon kommen. Kurzum: Der Song ist eine Aufforderung und Ermutigung, sich nicht von „Cheatern“ unterkriegen zu lassen, mit einer Warnung an genau diese: „Don’t mess up one single time“ – Mach keinen Stress!

via Time Passed By Photography

Nachdem schon in Saloon zum dritten Track angestimmt wurde, beginnt „You Are The One“ sehr langsam, recht bedächtig, ein Chor singt etwas schief: „You Are The One, I can’t find another“. Dann stimmt die E- Gitarre ein. Von diesem Punkt an gewinnt die Sache schlagartig an Schwung. Auch hier sind rhythmische Finessen eingebaut, die diesen Song zu einem wahren Hörgenuss machen. Durch das ganze Album zieht sich, dass jeder Song zumindest in Teilen ein eigenes Thema hat – in anderen Liedern wird das noch deutlicher. Der Song an sich handelt vom Falsch verstanden werden: „All the coaches thought that I was the crazy one. When you’re old and frail, six concussions past, I’ll still be playing my guitar all the while.“ Alle dachten, ich sei der Verrückte. Aber wenn du alt und gebrechlich bist, sechs Gehirnerschütterungen später, werde ich immer noch die ganze Zeit Gitarre spielen. Das Leben eines Musikers – Gefühle durch Musik ausdrücken.

„Cover Girl“ dürfte wohl vor dem Release des Albums der bekannteste Song gewesen sein. Das
Musikvideo hat im Internet die Runde gemacht und für Furore und Rummel um TOC gesorgt.
In dem Song geht es um „Originality“. Sei nicht die Kopie eines Gemäldes, keine Fälschung, sei selbst das Gemälde. Wenn man immer nur andere kopiert, ist man nicht mehr man selbst – und das geht schief. Die Welt ist schon voller Kopien, wo findet man da noch Individuen?
Das Musikalisch charakteristische dieses Songs ist eindeutig das Banjo – am Anfang würde man nicht denken, dass man es hier mit einer Hardcore Band zu tun hat. Das Thema des Banjos zieht sich auch hier durch den ganzen Song. Alles in allem eignet er sich bestens zum Abgehen und mitgrölen.

Das nächste Lied, „Little Situation“, beginnt nicht nur ruhig, sondern setzt sich auch so fort. Anfangs ist nur die Stimme des Sängers und eine Akustikgitarre zu hören, dann kommen Percussionsounds dazu. erst später wird es noch etwas rockiger. Durch den Inhalt durchzusteigen ist anfangs gar nicht so einfach. Das erzählende Ich hat auf einer langen Straße jemanden gesehen, der wohl in einer ziemlich prekären Situation steckt. Es beschließt sich zur Rettung dieser Person, egal was diese denkt. Offenbar will sich der Protagonist dieses Songs auch selbst beweisen, dass er in der Lage dazu ist, jemandem zu helfen und dass diese Hilfe seine Bestimmung ist. Man könnte den Song auch als Aufruf zur Zivilcourage sehen: selbst denen helfen, die man nicht kennt, wenn man bemerkt, dass jemand in einer heiklen Situation feststeckt oder Probleme hat. Man muss nicht mal genau wissen, wie man helfen kann – Hauptsache, man hilft überhaupt.

„Sunday’s Revival“ hat schon wieder weit mehr Rock’n’Roll in den Takten stecken. Am Anfang spielt die E- Gitarre eine Tonfolge, die sich im ganzen Song wiederfindet. Musikalisch finden sich die typischen rhythmischen Feinheiten wieder, ebenso wie die Art, wie TOC seine Gitarrenriffs einbaut und spielt.
Textlich geht es zum einen um eine Frau, die zwei Leben lebt: Eins für Sonntags, wenn sie in die Kirche geht und eins, sobald sie sie wieder verlässt. Sie genießt die Vorzüge des Glaubens, die Vergebung der Sünden, doch sobald sie aus dem Gotteshaus heraustritt ist sie von Grund auf wieder die Alte.

via The Ongoing Concept @ Facebook

Zum anderen wird das Leben eines Pfarrerssohns beschrieben, der die Bibel zwar kennt, aber sich eigentlich keinen Deut darum schert. Er spielt die Rolle des Christen gut, keiner in der Öffentlichkeit sieht sein eigentliches Gesicht. „But the public eye is not the only eye that’s watching you. Sunday’s revival, let’s see how much you’ve changed.“ Nicht nur die Öffentlichkeit schaut ihm zu, sondern natürlich auch Gott. In diesem Song kommt der Glaube der vier Amerikaner zum Ausdruck. Ein Aufruf, mal das eigene Leben anzuschauen. Sind wir nicht auch manchmal „Sonntagschristen“?

Das nächste Lied, „Sidelines“, ist wieder sehr ruhig: nur ein Klavier spielt das Thema des Songs, und wie es Balladen so an sich haben, handelt dieser Track – natürlich – von Liebe. Dadurch, dass er musikalisch sehr zurückhaltend ist, es kommen ein paar Streicher dazu, das Schlagzeug setzt nur Akzente, eine Rassel gibt den Takt an, sticht „Sidelines“ deutlich aus dem Album hervor. Gegen Ende des Songs wird es auch hier noch einmal etwas rockiger, jedoch immer noch sehr dezent für The Ongoing Concept.
Inhaltlich geht es um eine unerwiderte Liebe: Sie sind Freunde, er wünscht sich eine Beziehung, sie glaubt, durch die Freundschaft kennen sie sich „zu gut“. Träume verfolgen ihn. Er macht ihr klar, dass sie lediglich denkt, dass sie ihn kennt. Sie weiß, was seine Lieblingsband ist, wann er zu Bett geht, dass sie ihn mitten in der Nacht anrufen kann und er ans Telefon geht, doch schlussendlich kennt sie ihn doch nicht, denn wenn sie es täte wüsste sie, dass sie so vieles in diesem jungen Mann noch nicht gesehen hat. „You haven’t seen nothing yet“ – du hast noch garnichts gesehen – sind die letzten Worte dieses Songs.

„Failures & Fakes“ reißt den Hörer des Albums sofort wieder aus der ruhigen Stimmung heraus: Eine völlig andere Tonart, voller Leidenschaft schmettern die Vocals „Failures and Fakes, and those who don’t get their way“ aus dem Player, Auch hier hat das Klavier seinen Auftritt, im Hintergrund eine Orgel. Schließlich kommen wieder die TOC- typischen Gitarrenriffs und Rhythmus- Spielereien voll zum tragen und machen den Song zu einem weiteren Charakterstück des Albums. Die Band schafft es tatsächlich, dass man den Rhythmuswechsel innerhalb des Songs erst richtig mitbekommt, wenn er eigentlich schon vorbei ist – was bei vielen Bands einfach nur unbeholfen klingt, wird hier als Selbstverständlichkeit mit großartigem Taktgefühl in den Song eingebracht.
Textlich geht es um die Sorte Menschen, die sich für unfehlbar hält, niemals in ein Fettnäpfchen tritt, alles besser macht und weiß und vor allem immer alle korrigiert. Wer kennt sie nicht, solche Typen? Der Fazit des Songs: Die sind auch nicht besser als jeder alle Mensch. „We’re all failures and fakes.“

„Like Autumn“ legt noch ein flotteres Tempo an den Tag und das ist wohl der Song, in dem die Verwendung des musikalischen Themas am meisten hervorsticht. Zu beginn spielt ein Klavier die Leitmelodie des Lieds, gleiche darauf übernimmt eine E- Gitarre und das alles in einer doch recht atemberaubenden Geschwindigkeit. Auch hier sind die Wechsel von einem Rhythmus in den nächsten ausgesprochen gut gelungen.
Im Text geht es um eine Person, die, ohne selbst etwas zu tun, reich, berühmt und verehrt werden will. Doch sie hatte keinen festen Grund unter den Füßen, es war so einfach, ihr die Argumente zu nehmen. Sie hat sich zum negativen verändert. „You changed like autumn“. Am Ende steht sie allein da – völlig auf sich selbst gestellt.

Auch „Class Of Twenty- Ten“ legt mit einer ordentlichen Geschwindigkeit vor. Auch hier ist anfangs eher
das Chaos der Herr über die Musik, doch das macht den Song gewissermaßen aus. Die Strukturen klären sich irgendwann, dennoch wird der Song durch die variierenden Takte alles andere als langweilig. Ganz am Ende wird er fast noch einmal ruhig: eine verstimmte Drehorgel leiert ihre Melodie und scheint schlussendlich ganz auszuhauchen. In dieser letzten halben Minute kommt man sich vor wie in einer schlechten Zirkusshow.
Auch das Lied handelt gewissermaßen von einer Art Scharade: Jahrelang haben Freunde einen auf dem Weg begleitet, doch nach der Schule verliert man sich einfach aus den Augen. Man entfremdet sich, ohne dass man das vielleicht wollte. Und irgendwann stellt man fest, es wäre doch schön gewesen, mit den Leuten in Kontakt geblieben zu sein. Gleichzeitig steckt in dem Song eine Warnung vor einseitigen Freundschaften: Diese mögen zwar vielleicht lange halten, sind aber einem Ungleichgewicht unterworfen: einer gibt immer, der andere nimmt immer. „Wake up class of twenty- ten“ – Wach auf, Abschlussklasse 2010. Vielleicht ist dieser Song auch für den Hörer ein Anreiz, mit den Schulfreunden auch noch nach dem Abschluss in Kontakt zu bleiben.

Nun folgt auch schon der letzte Song: „Goodbye, So Long My Love“. Beinahe etwas jazzig ist der erste Eindruck, den man von diesem Lied bekommt. Das Klavier spielt eine Melodie, Schlagzeug und Bass steigen ein. Die Background Vocals erinnern auch etwas an die Klänge des Jazz, das Schnipsen macht den Eindruck komplett. Das alles dominiert die erste Hälfte des Songs – der zweite Teil wird geprägt von fast verzweifelt klingenden Schreien. Kein Wunder: Der Song handelt von einem alten Ehepaar, Sie glaubt nicht an Gott – Er schon. Sie liegt auf dem Sterbebett, die erste Strophe ist aus ihrer Sicht geschrieben: Sie glaubte nie an ein Leben nach dem Tod, hat jetzt aber keine Zeit mehr, sich zu entscheiden. Die Verzweiflung des Mannes steckt im Text der zweiten Strophe: „Don’t leave me knowing I’ll never see you on the other side“. Lass mich nicht allein mit dem Wissen, dass ich dich auf der anderen Seite nie wieder sehen werde. Du bist doch die Liebe meines Lebens.
Lässt man sich diesen Inhalt einmal mehr durch den Kopf gehen, wird man sich erst der Tragik des ganzen bewusst: Was muss es für den Ehemann bedeuten, seine Frau gehen zu lassen, ohne dass sie die Gewissheit auf in zweites Leben hat?
Schließlich ist nur noch leise das Klavier zu hören und ein Dialog zwischen dem Mann und der Frau: Ein letzter Abschied. Ein letztes „Ich liebe dich“. Und am Schluss die Stimme der Frau, die traurig singt: „Goodbye, so long, I’m leaving“.
Die letzte Zeile des Songs verblasst auch im Booklet zunehmend. Ein sehr trauriger Abschluss für das Album.

Alles in allem ist dieses Album wirklich ein kleines Meisterwerk. Hat man es sich einmal angehört, so wundert es nicht, dass die vier Herren von The Ongoing Concept dieses Jahr einen rasanten Karrierestart unter dem Label Solid State Records hingelegt haben. Die rhythmischen Feinheiten findet man so auf kaum einer CD je wieder. Die Mischung aus harten, schnellen Songs und eher ruhigen Liedern macht die Platte neben den vielen verarbeiteten Musikstilen zu einem wahren Hörgenuss.
Mit solchem technischen Können werden es TOC noch weit bringen! In diesen Songs steckt sowohl musikalisch als auch textlich viel Überlegung. Welcher Hardcore- Fan, der auch etwas offener für Einflüsse anderer Musikrichtungen ist, die Platte noch nicht im Regal stehen haben sollte, muss sie sich einfach zulegen!

Zu kaufen gibt es sie u.a. bei Amazon und bei iTunes.

From: Burning Heart Reports

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