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Die Eltern von Beate Zschäpe – oder: Warum bestraft Gott sein Volk?

By Chrblocom / 25. September 2013
:)

Einem verbreiteten Vorurteil zufolge ist der Gott des Alten Testaments ein kalter, rachsüchtiger Gott, der erst im Neuen Testament seine warme, weibliche Seite entdeckt. Wenn dem aber so wäre, warum steht dann im Alten Testament z.B. sowas:

„Und du sollst zu ihnen dies Wort sagen: Meine Augen fließen über von Tränen, unaufhörlich Tag und Nacht; denn die Jungfrau, die Tochter meines Volks, ist unheilbar verwundet und völlig zerschlagen.“ (Jeremia 14,17)

Auf der einen Seite gibt Gott also sein Volk in die Hände der Feinde (in diesem Fall in die Hände des babylonischen Königs Nebukadnezar) und auf der anderen Seite betrauert er, was die Feinde anschließend mit seinem Volk anstellen. Ist Gott demnach schizophren oder gibt es eine Erklärung für solch ambivalentes Verhalten?

Vom Prinzip her passiert im Alten Testament eigentlich immer das Gleiche: Gott kümmert sich um Israel. Israel kümmert das herzlich wenig und rennt stattdessen anderen Göttern hinterher. Gott ist eifersüchtig und liefert Israel den umliegenden Völkern aus.

Wenn man dieses Prinzip verstehen will, dann ist es zunächst einmal wichtig, dass man, wenn davon die Rede ist, dass Gott eifersüchtig oder zornig ist, dies nicht mit menschlicher Eifersucht oder menschlichem Zorn verwechselt. D.h. wenn Gott vollkommen ist, dann ist auch seine Eifersucht vollkommen. Anstatt also auf eine böse, menschliche Weise eifersüchtig zu sein, ist er auf eine gute, göttliche Weise eifersüchtig.

Auf der Suche nach einem treffenden Beispiel, um das zu erklären, fallen mir die Eltern von Beate Zschäpe ein (wobei ich sie nicht kenne und daher das, was jetzt kommt, nur eine prototypische Fiktion ist). Angenommen also, sie haben irgendwann Wind davon bekommen, dass ihre Tochter nun mit einem Nazi liiert ist, dann wird sie in diesem Moment sicherlich auch so etwas wie Zorn und Eifersucht gepackt haben. Aber nicht nur, weil die Liebe ihrer Tochter nun nicht mehr ausschließlich ihnen galt, sondern weil sie genau wussten, dass das Verhältnis zu einem Nazi auch gleichsam bedeutet, dass sie unweigerlich auf die schiefe Bahn geraten wird.

Indem ihre Tochter sie also verlassen hat, hat sie damit gleichzeitig auch die guten Normen und Werte ihres Elternhauses hinter sich gelassen. Indem sie sich auf einen Nazi eingelassen hat, hat sie neue (böse) Normen und Werte angenommen, die ihren Charakter verderben und sie – wie dann auch geschehen – ins Verderben stürzen.

Wenn Gott nun Israel seinen Feinden ausliefert, dann ist das vergleichbar mit dem Fall, dass die Eltern von Beate Zschäpe von den Morden erfahren und sie daraufhin der Polizei übergeben. Wie bei Gott, so schlagen dabei auch bei ihnen zwei Herzen in der Brust. Einerseits lieben sie ihre Tochter, aber anderseits wissen sie auch, dass ihre Tochter ein Verbrechen begangen hat, das nicht ungestraft bleiben darf. Würden sie also ihre Tochter decken, dann würden sie sich damit an dem Menschsein an sich schuldig machen – da ihre Tochter aber ebenso ein Mensch ist, letztendlich auch an ihr. Wird sie aber bestraft und sie büßt für das, was sie getan hat, dann besteht Hoffnung, dass sie am Ende doch noch gerettet wird, das Böse von ihr ablässt und sie zurück zum Menschsein findet.

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