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Hartnäckigkeit, Hoffnung und ein Pin-Up-Girl

By Chrblocom / 25. September 2013

By claudiadahinden

Popcorn-Perlen

Der „Hero“, der gegen grösste Widerstände ankämpft und am Ende triumphiert, füllt zuverlässig die Kinosäle. Andy Dufresne, Protagonist in Stephen Kings Kurznovelle „Frühlingserwachen – Pin Up“, ist ein Held der stilleren, tiefer gehenden Art. Die Novelle wurde unter dem Titel „Shawshank Redemption – Die Verurteilten“ verfilmt, und das macht die Geschichte zu einer weiteren „Popcorn-Perle“.

Andys geordnetes Leben als Finanzfachmann wird in einer Herbstnacht ohne Vorwarnung zerstört – seine Frau und ihr Liebhaber werden von einem Unbekannten erschossen, und Andy wird des zweifachen Mordes angeklagt.

Andy bereitet sich auf das Schlimmste vor, solange er noch kann: Er bringt sein Geld in Sicherheit, und ein guter Freund verschafft ihm eine neue Identität. Kurz darauf ist dieses neue Leben Andys einzige Hoffnung, denn das Schlimmste trifft ein: er wird auf der Grundlage von Indizien zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt.

Im Knast von Shawshank lernt er Red kennen – den „Mann, der alles besorgen kann“, der über die langen Jahre zu seinem einzigen engen Freund wird. Er lernt auch das grausame Knastuniversum kennen und wird von Vergewaltigungen, Prügel und Demütigung nicht verschont. Doch irgendwie schafft er es, sich seine Würde und seine Hoffnung auf ein anderes Leben zu erhalten.

“Trotz seiner Probleme lebte er sein Leben weiter.
Es gibt Tausende, die das nicht tun oder nicht wollen oder nicht können,
und viele von ihnen sind nicht einmal im Gefängnis.“
Red in „Shawshank Redemption“

Doch auch an Andy nagt der Knastalltag. Er bittet Red, ihm einen Gesteinshammer zu beschaffen, mit dem er kleine Steine aus dem Gefängnishof in Form schleift, um die langen Gefängnisnächte zu überstehen. In einer dieser Nächte kratzt er aus Langeweile in die Gefängniswand, und plötzlich löst sich ein Stück. Weil er sonst nichts zu tun hat, gräbt Andy weiter und beschafft sich von Red ein Pin-Up-Poster, um das Loch zu verbergen. An Ausbruch denkt er nicht – er rechnet sich aus, dass er in 100 Jahren höchstens die Hälfte der Wand schaffen könnte.

In den folgenden Jahren erarbeitet sich Andy im Knastuniversum eine Vertrauensposition. Er wird Leiter der Bibliothek, berät die Aufseher bei ihren Steuererklärungen, setzt Darlehensverträge auf und hilft dem Direktor dabei, Erträge aus zweifelhaften Geschäften vor dem Fiskus zu verstecken.

Ganz plötzlich öffnet sich für Andy ein Fenster der Hoffnung: Aufgrund der Aussage eines neuen Insassen könnte er den Prozess wieder aufrollen und seine Unschuld beweisen. Doch der Anstaltsleiter will Andy und seine nützlichen Fähigkeiten nicht verlieren und bringt den Insassen durch die Versetzung in ein besseres Gefängnis zum Schweigen.

Das bricht Andy fast das Rückgrat – zum ersten und einzigen Mal verlässt ihn seine Zuversicht, und er fällt in eine tiefe Depression. Nach langen und dunklen Monaten fasst er langsam wieder Mut und macht kurz darauf eine unglaubliche Entdeckung.

Während einer seiner nächtlichen Grabungen durchschlägt sein Hammer plötzlich die Wand, und er trifft auf einen offenen Schacht und ein altes Abflussrohr. Er findet heraus, dass sein Zellentrakt noch nicht an das neue Abwassersystem angeschlossen wurde und dass dieses alte Rohr sein Weg in die Freiheit sein könnte – und in sein neues Leben. Denn das Tor zu seiner neuen Identität – ein Schlüssel zu einem Bankschliessfach – schlummert sicher vergraben unter einer Steinmauer, keine dreissig Meilen von Shawshank entfernt.

Doch zwischen Andy und seinem neuen Leben stehen noch einige Kubikmeter Stein und die Gefahr, entdeckt zu werden. Über den Zeitraum von weiteren acht Jahren vergrössert Andy Nacht für Nacht das Loch in der Wand. Den Schutt bindet er in Säckchen in seine Hosenbeine und lässt ihn im Gefängnishof auf den Boden rieseln.

In der Nacht auf den 12. März 1975 gelingt Andy die Flucht – durch ein enges, stinkendes Rohr voller Exkremente kriecht er über die Länge von fünf Fussballfeldern in die Freiheit. Ein halbes Jahr später sendet er seinem Freund Red eine unsignierte Karte aus Texas, wo er die Grenze nach Mexiko überschreitet, um sich sein neues Leben aufzubauen.

Was mich an dieser Geschichte bewegt, ist Andys nicht zu tötende Hoffnung im Angesicht des Tornados, der sein Leben zertrümmert hat, aber auch seine Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht inmitten dieses Spagats aus Hoffnung und Angst.

Wie hat dieser Mann das ausgehalten? Zu wissen, dass ein neues Leben auf ihn wartet, aber nicht zu wissen, ob das Stück Land, das diesen Schatz verbirgt, in der Zwischenzeit überbaut wird? In seiner Zelle einen Tunnel zu graben und zu fürchten, dass man ihn plötzlich in eine andere Zelle versetzt? Und was wäre gewesen, wenn man ihn wegen guter Führung entlassen – und bei der Zellenräumung das Loch in der Wand entdeckt hätte? Und was, wenn Andy nach endlosem Kriechen durch das Abflussrohr hätte feststellen müssen, dass das Ende mit einem Draht verschlossen ist?

Andys Umgang mit seinem Schicksal macht ihn zu einem anrührenden, fassbaren Helden. Er ist beinahe zerbrochen, aber er hat sich wieder aufgerappelt. Er hat all die „Was-Wenns“ ertragen und hat in diesem widerlich stinkenden Rohr sein Leben riskiert – um frei zu sein.

Diese Entschlossenheit und Andys unerschütterliche Hoffnung und Gelassenheit fordern mich heraus. Jeden Tag scheitere ich aufs Neue an kleinen und grösseren Alltagsfrüstchen und ärgere mich über Dinge, die nicht so sind, wie ich sie will, über volle Züge und laute Menschen, über Unzulänglichkeiten und Missgeschicke. Was würde ich erst tun, wenn ich eine Herausforderung dieser Kragenweite bewältigen müsste?

Eigentlich brauche ich nicht einmal auf das fiktive Schicksal von Andy zurückzugreifen – ich kenne genug Menschen, die mich in ihrem Umgang mit Schicksalsschlägen tief beeindrucken.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben mehrere Frauen eine Brustkrebsdiagnose erhalten. Eine von ihnen hat Operation und Chemotherapie schon länger hinter sich, eine andere ist dieses Jahr operiert worden, und die dritte wird den Eingriff in wenigen Wochen durchstehen müssen. Alle drei Frauen haben diesen Mut und die Entschlossenheit, nicht aufzugeben und an das Leben – ihr Leben – zu glauben. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen, und ihr Vorbild beschämt mich.

Aber es ist eine gute Scham – eine, die mich motiviert und inspiriert, meine Haltung zu überdenken und mich neu zu entscheiden, wie ich mit den grossen und kleinen Unebenheiten auf meinem Lebensweg umgehen will:

Ich will mein Leben als Geschenk sehen und mich nicht mehr von Kleinigkeiten runterziehen lassen. Beim nächsten Frustmoment denke ich an die einzigartigen, wertvollen Dinge, die man sich nicht kaufen kann und die ich immer wieder geniessen darf. Gesund sein. Ein schöner Sommertag. Familie und Freunde, die einen inklusive aller Verrücktheiten lieben. Ein „Magnum“ nach dem Mittagessen und eine Tüte Popcorn zur DVD-Nacht. Lachen mit Freunden, auf dem Sofa ein Nickerchen machen. Schreiben und singen dürfen und anderen damit Freude machen – grosse und kleine Segenshappen, die alle Widrigkeiten des Alltags überstrahlen.

Ich will bereit sein, auch härtere Schläge zu ertragen und nie die Hoffnung verlieren. Ich wünsche mir keine Katastrophe, um meinen Durchhaltewillen beweisen zu können. Aber wenn etwas auf mich zukommt, das mich herausfordert, hoffe ich, dass ich es würdig tragen kann, den Kampf nicht aufgebe und meinen Glauben an das Schöne im Leben, an das Gute in der Welt und an einen allmächtigen, liebenden, Gott niemals verliere.

Ich will für das kämpfen, was mir am Herzen liegt. Unser Leben auf dieser Erde ist kurz. Ich bin 42 Jahre alt, und vielleicht habe ich noch einmal gleich viel Zeit. Vielleicht ist es auch morgen vorbei. Ich will mich auf die Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind, auf das, wofür mein Herz brennt und zu dem ich mich berufen fühle, damit ich an diesem letzten meiner Tage auf dieser Welt nichts bereuen muss. Oder wie Henry David Thoreau in „Club der toten Dichter“ so schön zitiert wird: „damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich niemals gelebt habe.“ (aber den Film sparen wir uns für ein anderes Mal).

“Hoffnung ist etwas Schönes, Red, vielleicht das Schönste, was es gibt,
und Schönes stirbt nie.“

Wer inspiriert Dich mit seinem Verhalten? Wofür schlägt Dein Herz? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

Einsortiert unter:Popcorn-Perlen Tagged: Filme, Glauben, Gott, Inspiration, Shawshank Redemption, Stephen King

From: Seelensnack

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