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Im Schatten von Barmen 3: Geschichtlicher Hintergrund,Gliederung und Wirkungsgeschichte

By Chrblocom / 22. Februar 2014

Im Schatten von Barmen 3: Geschichtlicher Hintergrund,Gliederung und Wirkungsgeschichte

By Nordlicht Gedenktafel für das Altonaer Bekenntnis an der Osterkirche in Hamburg-Ottensen.Foto: Ajepbah Lizenz: CC BY-SA 3.0Am 17.7.1932 kommt es im Zuge eines Demonstrationszuges der Nationalsozialisten durch die Altonaer Altstadt zu Straßenkämpfen, denen 17 Menschen zum Opfer fallen. Infolge dieses sogenannten Altonaer Blutsonntags verfassen fünf Pastoren unter der Leitung von Hans Asmussen das Altonaer Bekenntnis[1]. Mit den Unterschriften von 21 Pastoren[2] wird es am Mittwoch, d.11.1.1933, im Rahmen eines Sondergottesdienstes verlesen.
Es umfasst eine Einleitung und fünf Artikel. In der Einleitung nennen die Verfasser die Motivation für das Bekenntnis. Angesichts der gesellschaftlichen Situation wendet sich die Kirche ans Volk. Bislang haben sich Volksgruppen mit der Bitte um materielle Hilfe oder politische Unterstützung an die Kirche gewandt. Auf diese Anfragen wollen die Verfasser hier nicht antworten. Ihr Ziel als Vertreter der Kirche ist es, Staat und Volk um des Volkes willen durch die Verkündigung des Wortes Gottes in Gottes Ordnung zurückzurufen. Von diesem Ziel her ist das Bekenntnis konsequent gegliedert:
Die Verfasser wollen als Kirche sprechen und definieren deshalb zunächst, was Kirche ist[3]. Ihre Absicht ist, den Staat, der aus einzelnen Menschen besteht, in die Ordnung Gottes zurückrufen, deshalb müssen sie zunächst vom einzelnen Menschen sprechen. Um Menschen in die Ordnung Gottes zurückzurufen, muss klar gemacht werden, dass sie in der gegenwärtigen Situation außerhalb davon stehen. Wo es ein innerhalb und außerhalb gibt, muss es Grenzen geben. Der 2. Artikel geht deshalb folgerichtig auf die Grenzen des Menschen ein. Aus den einzelnen Menschen besteht der Staat, den die Verfasser in Gottes Ordnung zurückrufen wollen und dessen Wesen und Aufgabe sie im 3. und 4. Artikel darlegen. Nach dem 4. Artikel ist die Lebenswirklichkeit des Menschen als Einzelnem und im sozialen Kontext dargestellt, jetzt kann im 5. Artikel auf die göttlichen Gebote eingegangen werden, die diese Lebenswirklichkeit schützen sollen.
Das Altonaer Bekenntnis erweckt große Aufmerksamkeit. Dies zeigen nicht nur zeitgenössische Beurteilungen[4], sondern auch der 1948 erscheinende Bericht im Kirchlichen Jahrbuch 1933/34[5]. Bereits im Februar 1933 bitten die Leitung und 213 Pastoren der Mecklenburg-Schwerinischen Landeskirche besonders kirchliche Arbeitskreise, sich mit dem Altonaer Bekenntnis zu befassen und sich zu ihm zu bekennen[6]. In den nächsten Monaten folgen weitere von ihm beeinflusste Bekennt-nisse[7]. So ist im „Evangelischen Kirchenblatt für Schlesien“ deshalb am 2.6.1933 zu lesen: „Denn was das A.B. gebracht hat, ist ein Anfang vielleicht der wichtigsten Arbeit, die in der werdenden Kirche geleistet werden muss“[8]. Der Aufbruch der Kirche in eine neue Organisationsform ist spätestens erfolgt, als am 20.5.1933 im Loccumer Manifest Grundzüge der neuen Kirchenverfassung veröffentlicht werden. In dieser Aufbruchs-stimmung wird das Altonaer Bekenntnis nicht als ein Bekenntnis unter vielen gesehen, sondern ihm wird eine besondere Stellung eingeräumt. Diese Beurteilungen des Altonaer Bekenntnisses in seiner Zeit sind Argumente für die Einschätzung von Klaus Scholder: „[Das Altonaer Bekenntnis] war keineswegs nur ein ‚unklares Vorspiel‘[zur Barmer Theologischen Erklärung][9], sondern der erste kirchliche Schritt zur Klärung der Fronten“[10].

[1]P. Asmussen, P. Hasselmann, P. Knuth, Professor Tonessen und P. Thomsen, Schmidt I, S. 19.

[2] Sieveking, Schröder, Hoffmann, A. Reuter, Roos, Reuter, Thun, Ketels, Siegmann, Stalmann, W. Petersen, Tonnesen, Abraham, Christiansen, Andersen, Hildebrand, Hasselmann, Asmussen, Thomsen, Thedens, Knuth. Aus: Asmussen, Hans: Politik und Christentum, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1933, S. 187.

[3] Artikel 1: Von der Kirche.

[4] Z. B.: „Theologen und Laien, Gebildete und schlichte Menschen des Volkes mit einem gesunden Sinn für das Notwendige, kirchentreue und kirchenentfremdete Leute beschäftigen sich mit ihm. Die Geister trennen sich in einem leidenschaftlichen Für und Wider“ (JK 1933, S. 83).

[5] „Von der Existenz dieser [jungreformatorischen] Kräfte erschien grade noch vor dem 30. Januar 1933 ein besonders bedeutsames Zeugnis, das wie ein Zeichen der Hoffnung für die Kirche im Dritten Reich am Anfang des schicksalsschweren Jahres 1933 anmutete. Es war dies[:] Das Wort und Bekenntnis Altonaer Pastoren in der Not und Verwirrung des öffentlichen Lebens“, KJ 1933/44, S. 7 f.

[6] „21 Pastoren der uns benachbarten evangelisch-lutherischen Kirche Schleswig-Holsteins haben am 11. Januar 1933 ein gemeinsames Wort und Bekenntnis gewagt. Wir begrüßen dieses Bekenntnis als einen ersten Schritt auf einem notwendigen Weg. Wir legen es hiermit den Gemeinden unserer Mecklenburg-Schwerinschen Landeskirche vor und bitten: Hört dies Wort, setzt euch mit ihm auseinander, bekennt euch zu ihm in Wort und Tat. Besonders wenden wir uns mit unserer Bitte an alle kirchlichen Arbeitskreise: Pastorenkreise, Lehrerkreise, Kirchge-meinderäte, Männerdienste, Frauengruppen, Jugendvereine, Gemeinschaften, Bibelkreise, Ge-meindevereine usw.“ aus: „Das Evangelische Mecklenburg. Monatsblatt für kirchliche und soziale Fragen der Gegenwart, Februar 1933, 8. Jahrgang.“, S. 13. LkA EKvW Best. 5.1/597/F.1/6.

[7]Aus Schmidt I: 1. Osnabrücker Bekenntnis 2. Kirche, Volk und Staat 3. Wort und Bekenntnis westfälischer Pastoren zur Stunde der Kirche und des Volkes 4. Bekenntnis eines Nationalsozialisten.

[8] JK 1933, S. 95.

[9] Vgl. Hartmut Ludwig: Altonaer Bekenntnis, in: RGG4 A-B, 381.

[10] Scholder, S. 237, hier werden auch weitere Veröffentlichungen genannt, die Scholders Ansicht stützen.

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