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Im Schatten von Barmen 4: Eine Predigt und ihre Bedeutung für das Altonaer Bekenntnis

By Chrblocom / 27. Februar 2014

Im Schatten von Barmen 4: Eine Predigt und ihre Bedeutung für das Altonaer Bekenntnis

By Nordlicht Das Altonaer Bekenntnis wird im Rahmen eines Sondergottesdienstes am Mittwoch, d. 11.1.1933, von Propst Sieveking verlesen. Im Anschluss daran predigt Pastor Georg Christiansen (Altona) über Lk. 3, 1-3; 7-16[1].
Diese Predigt habe ich bei eigenständiger Forschung im Bielefelder Archiv für Kirchen-kampf gefunden. Sie zeigt, dass die Verfasser von Anfang an den Wunsch haben, über Altona hinaus gehört zu werden[2] – dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Von Anfang an sind sich die Verfasser möglicher Kritik – Weltfremdheit, Machtgelüste der Kirche, unsensibler Eingriff in sich grade bildende Einheit – bewusst. Sie rechnen aber bei aller Kritik auch mit Menschen, die sich über dieses Bekenntnis freuen werden. Doch Kritiker wie Befürworter werden die Frage stellen: „Woher nehmt ihr den Mut und die Vollmacht dazu? Wie kommt ihr dazu?“[3]. Auf diese Fragen will Christiansen stellvertretend für alle Verfasser antworten. Sie verstehen ihr Handeln als Handeln in der Nachfolge Johannes des Täufers. Er predigte auf Befehl Gottes – sie wurden in die Situation hineingestellt und müssen das Bekenntnis ablegen, nicht aus eigenem Antrieb, sondern von Christus und der Aufgabe getrieben[4]. Sie stellen das Geschehen unter das Wort „Da geschah das Wort Gottes an uns“ und verneinen jede parteipolitische Motivation.
Um den Inhalt bzw. das Ziel des Bekenntnisses deutlich zu machen, werden dann die machtpolitischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu Zeiten Johannes äußerst negativ geschildert – und dann wird dieser Schilderung mit Worten geschlossen, die auch die gegenwärtige Situation beschreiben: „Aber auf der anderen Seite wissen wir auch, wieviel bestes Wollen in den Herzen vieler lebendig war. Die Treue gegen Land und Volk war nicht gestorben. Da wurde mit Leidenschaft gerungen um die Erhaltung der politischen, nationalen, sozialen und religiösen Eigenart“[5]. Und in den sich vermutlich einstellenden Gedanken: „Denen ging es ja wie uns!“ bricht die Darstellung der Gegenwart hinein, die – ganz Johannes folgend – in die Aufforderung zur Umkehr und Buße mündet. Die Folgen der Buße bei Johannes sind, dass er vom Volk, von Zöllnern und Kriegsleuten gefragt wird, was sie tun sollen. Johannes reißt daraufhin niemand aus seinem bisherigen Stand heraus, sondern verweist sie in die Grenzen dieses Standes. Auch die gegenwärtige Kirche wird vom Volk gefragt, was es tun soll. Die Altonaer Pastoren geben eine andere Antwort als „Welt, Gesellschaft, Presse“. Sie können nur Gottes Botschaft verkündigen und schließen die Predigt mit dem „größte[n] und schönste[n] Hinweis, den die Kirche zu geben hat: ‚Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, sondern hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns. So bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!‘ (2. Kor. 5, 19-20)“[6]. Diese Predigt gibt biblisch begründet Aufschluss über die Motivation der Verfasser und ist damit ein wichtiger Faktor für die starke Wirksamkeit des Altonaer Bekenntnisses.
Der gottesdienstliche Rahmen eines Sondergottesdienstes ist auffällig. Da das Altonaer Bekenntnis doch gerade in die Ordnung Gottes zurückrufen will, ist es merkwürdig, dass sie statt eines regulären, ordnungsgemäßen einen Sondergottesdienst dazu wählen. Die Wahl des Wochentages wird möglicherweise vor dem Hintergrund der Predigt deutlich. In der Predigt stellen sich die Verfasser in die Tradition Johannes des Täufers, der nach biblischer Überlieferung Bußprediger war[7]. Daraus ergibt sich der Bezug vom Altonaer Bekenntnis zum Mittwoch: als einer der alten Stationstage wurde er schon in der Refor-mationszeit als Termin für einen Bußtag genutzt[8], es ist deshalb naheliegend, an ihm ein Bekenntnis zu verlesen, das zur Buße aufruft und dessen Verfasser sich in der Nachfolge von Johannes dem Täufer sehen[9].
Der Zeitpunkt der Verlesung ist für die Akzeptanz des Altonaer Bekenntnisses auch wichtig, weil er in einer Phase liegt, in der auch von theologischer Seite der Ruf nach einem Bekenntnis laut geworden ist. Deshalb wird das Vorlegen eines Bekenntnisses auch in Kreisen begrüßt, die nicht alle theologischen Aussagen teilen. Sie erkennen trotz theo-logischer Differenzen an, dass der Status confessionis gegeben ist und gestehen dem Altonaer Bekenntnis den Rang eines Bekenntnisses zu, auch wenn sie es nicht unterschreiben[10].

[1] „Nachstehend sei unseren Lesern auch die Predigt mitgeteilt, die von Pastor Georg Christiansen (Altona) in dem Gottesdienst vom 11. Januar nach Verlesung des vorstehenden Bekenntnisses gehalten wurde. Das Bekenntnis wird unseren Lesern durch diese Predigt noch wertvoller und klarer werden.“ (Das Evangelische Mecklenburg, S. 16.)

[2] „So Gott will, soll dies Wort weit hinausschallen und in Kirche und Volk ein Echo finden. – Es will manchen falschen Wahn erschüttern, will schütteln und rütteln an verrosteten Pforten. – Es will ein Hinweis sein auf Hilfe und alleiniges Heil für Volk und Menschheit.“ Ebd.

[3] A.a.O. S. 17.

[4] „Wir sind nicht auf die Idee gekommen, einmal etwas Besonderes zu veranstalten, sondern wir wurden seit dem Altonaer Blutsonntag in ein Müssen hineingeworfen und auf einen Weg gestellt, den wir bis zu Ende gehen mußten, und haben nun in monatelangem Mühen darum gerungen, Gottes Willen zu erkennen. Aber es endete damit, daß wir den Befehl Jesu hörten: ‚Was ich euch im Geheimen sage, das sprecht öffentlich aus, und was ihr von mir in das Ohr geflüstert hört, das predigt auf den Dächern! – (Matth. 10,27.).“ Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Matth 3, 1-8: „1Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa 2und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. […] 8Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!“.

[8] Vgl. Dienst, Karl: Buß- und Bettage, RGG4, 1901.

[9] Ob sich diese These z.B. anhand von Tagebucheinträgen Asmussens stützen lässt, lies sich im Rahmen dieser Arbeit nicht prüfen, dies muß an anderer Stelle erfolgen.

[10]„Es ist in unserer Zeit etwas Neues, dass eine öffentliche kirchliche Erklärung die Überschrift ‚Bekenntnis‘ trägt. Ebenso neu ist, dass die Erklärung nicht von einem Kirchentag oder einer Synode, sondern von wenigen, durch die Gemeinschaft der Arbeit verbundenen Pastoren ausgeht. Beides ist verheißungsvoll. Wir stehen heute nicht mehr so wie noch vor wenigen Jahren unter dem Eindruck großer Zahlen. Die Kirchentage und Konzilien haben von ihrem Glanz verloren. Wir lernen wieder, dass die Kraft der Kirche in den Gemeinden und ihren berufenen Führern liegt. Dass dann aber die ‚Erklärungen‘ den Bekenntnissen weichen müssen, ist selbstverständlich in einer Zeit, in der die Kirche, von zahllosen Gegnern bedrängt, in statu confessionis steht, und Theologie und Philosophie existenzielles Denken fordern“ (DD 1933, S. 106)

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