HURRAAA!!!! WIR SIND UMGEZOGEN!!!! * BESUCHE UNSERE NEUE SEITE! »

In der Welt, aber nicht von der Welt

By Chrblocom / 25. September 2013

Wenn die ganze Welt verrückt ist, also in dem Sinne, dass sie von ihrem eigentlichen Platz oder ihrer eigentlichen Bestimmung weggerückt ist, dann müssten doch diejenigen, die in der Welt als verrückt gelten, die eigentlich Normalen sein.

Das ist im Grunde so wie neulich am Strand. Da liegen Massen an bereits krebsroten Menschen stundenlang in der glühenden Mittagssonne, wobei es nahezu keiner für nötig hält, sich wenigstens hin und wieder mal in den Schatten zu setzen, geschweige denn einzucremen. Hätte man die Leute interviewt, dann hätten die meisten wohl zugegeben, dass ihnen die Risiken und Spätfolgen von verbrannter Haut eigentlich bekannt sind, aber sie dennoch nicht auf das momentane Vergnügen verzichten wollen, zumal alle anderen ja auch ungeschützt in der Sonne liegen, weswegen das nicht so schlimm sein kann. Wenn ich dann als einziger mit Sonnencreme und Sonnenschirm daherkomme, dann ist das für alle anderen natürlich eine Provokation, da ich sie mit meinem vernünftigen Verhalten an ihre eigene Unvernunft erinnere. Insofern sie sich nun von meiner Anwesenheit nicht den Spaß verderben lassen wollen, sind sie gezwungen, die Tatsachen zu verdrehen, indem sie mich, der ich doch eigentlich der Vernünftige bin, als unvernünftig darstellen. Um nun aber dieses Urteil vor sich selbst rechtfertigen zu können, brauchen sie natürlich Argumente, weswegen sie sich darauf einigen, dass das momentane Vergnügen normativ höher zu gewichten ist als die Folgeschäden, die man eventuell davonträgt.

Mich erinnert das an eine Kurzgeschichte von Friedrich Dürrenmatt, wo ein Zug dem Abgrund entgegenrast, aber keiner der Fahrgäste dies wahrhaben will. Oder auch an eine Schilderung aus dem Spanischen Bürgerkrieg, wo ein Mann eigentlich vor den anrückenden Franco-Truppen fliehen müsste, aber es aufgrund der Behaglichkeit seiner Unterkunft und der schlechten Wetterverhältnisse vorzieht zu bleiben und dadurch in Gefangenschaft gerät. Geht es also um das Glück von heute, dann sind Menschen scheinbar leicht dazu bereit, die für morgen angekündigte Katastrophe zu ignorieren. Und das fällt ihnen umso leichter, wenn alle anderen das auch tun.

Wenn das Leben in diesem Sinne eine große Täuschung ist, weil es uns Sicherheit, Wohlstand und Vergnügen vorgaukelt, währenddessen wir doch alle einer Katastrophe entgegengehen – und sei es der Katastrophe unseres eigenen Todes – dann kann es eigentlich nur den einen Ausweg geben, dass man sich ent-täuschen lässt. Aber das wiederum ist gar nicht so einfach, denn wer 10,20 oder 50 Jahre einer Täuschung aufgesessen ist, der wird sich so sehr daran gewöhnt haben, dass er – selbst wenn er wüsste, dass er getäuscht wird – lieber an der Täuschung festhält, als das Risiko einer Enttäuschung einzugehen. Und wenn sich eine ganze Gesellschaft über Jahre und Jahrhunderte hinweg hat täuschen lassen, dann wird die Täuschung so tief in jede Faser des gesellschaftlichen Lebens eingedrungen sein, dass es gar kein Unterschied mehr macht, was echt und was Täuschung ist. Selbstredend muss in diesem Fall jeder gesellschaftliche Auswurf – also jedes politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle oder mediale System – unter dem Generalverdacht stehen, Teil der Täuschung zu sein.

So betrachtet betont Jesus vielleicht auch deshalb so oft, dass man ihm nur nachfolgen kann, wenn man aus seinem alten Leben heraustritt. Es ist so wie mit einem brennenden Haus: Wenn man drinnen (Erdgeschoss) sitzt, denkt man möglicherweise, es sei alles in Ordnung, aber begibt man sich nach draußen, stellt man auf einmal fest, dass die Flammen bereits durchs Dach schlagen. Was aber nun tun? Weglaufen oder wieder zurück ins Haus, um die Hausbewohner vor dem Feuer zu warnen? Letzteres ist es wohl, was Jesus mit „Ihr seid in der Welt, aber nicht von der Welt“ meint: Sich nicht mehr als Teil des alten Systems zu verstehen, aber dennoch ins System zurückkehren, um zu retten, was noch zu retten ist.

Kommentare

From: Felsen Blog

About the author

Chrblocom

Click here to add a comment

Leave a comment: