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Interview: Ist Deutschland ein christliches Land?

By Chrblocom / 10. November 2013

Es wird mal wieder Zeit für ein Interview mit mir selbst.

Frage-Ich:
Lang ist’s her und somit natürlich umso schöner, dass wir uns heute mal wieder zusammensetzen können. Lass uns gleich ins Thema einsteigen, stimmst du mir zu, wenn ich sage, die Leute in Deutschland werden immer ungläubiger?

Antwort-Ich:
Bezogen auf den christlichen Glauben würde ich sagen, es hat zumindest den Anschein, aber guckt man genauer hin, wage ich zu behaupten: Die Mehrheit wird nicht immer unchristlicher, sondern die Mehrheit ist nie wirklich christlich gewesen.

Frage-Ich:
Das ist eine gewagte These, was genau meinst du damit?

Antwort-Ich:
Nun, will man etwas verstehen, dann ist es immer gut, zurück an den Anfang zu gehen, also zurück ins 8 Jahrhundert zu den Anfängen der Christianisierung Deutschlands. Entgegen dem, was in klassischen Geschichtsbüchern steht, stimme ich mit Erich Fromm überein, dass sich Deutschland, trotz oder gerade wegen der oft gewaltsamen Christianisierung, in der Breite nie zum christlichen Glauben bekehrt hat. D.h. eine echte Bekehrungswelle gab es höchstens zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. In den Jahrhunderte davor und danach, war das, was man üblicherweise unter „Mission“ versteht, eher so etwas wie die gewaltsame Durchsetzung einer neuen Ideologie, um Menschen dem Bündnis von Staat und Kirche zu unterwerfen. Bis auf wenige (aber bedeutsame) Ausnahmen, hatte das mit einer „Bekehrung der Herzen“ nicht viel zu tun.

Frage-Ich:
Das ist interessant, und dennoch gab es in der Blütezeit der christlichen Bewegung wohl kaum einen Menschen in Deutschland, der sich nicht als Christ bezeichnet hätte. Haben die alle gelogen?

Antwort-Ich:
Ich bin natürlich weit davon entfernt, jemandem seinen Glauben absprechen zu wollen, dennoch habe ich, wie gesagt, den Eindruck, dass sich die Menschen vielerorts nicht zu dem christlichen Gott, sondern zu einer christlich angehauchten Ideologie bekehrt haben. Es ist eine Sache, etwas zu akzeptieren und eine ganz andere, etwas wirklich zu verinnerlichen.

Frage-Ich:
Ich verstehe, kannst du die These denn irgendwie belegen?

Antwort-Ich:
Fromm weist z.B. darauf hin, dass sich der christliche, also sich anderen hingebende und aufopfernde Held niemals durchgesetzt hat und die Menschen stattdessen bis heute dem heidnischen Helden nachlaufen, dem es um Macht, Ruhm und Eroberung geht. Davon zeugt der Nationalsozialismus, davon zeugt aber auch der ökonomische Imperialismus von heute.

Frage-Ich:
Auf der anderen Seite, Krankenhäuser, Armenhäuser, Behinderteneinrichtungen, sind dort nicht überall sich selbst aufopfernde Helden am Werk?

Antwort-Ich:
Auf jeden Fall, und natürlich darf man das alles auch nicht so schwarz weiß sehen. Womöglich werden beide Helden verehrt, blickt man aber in Geschichte, dann kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich der heidnische Held viel stärker ins kollektive Bewusstsein eingebrannt hat als der christliche. Und noch viel schlimmer ist es möglicherweise sogar so, dass der heidnische Held nur allzu oft unter dem Deckmantel des christlichen Helden daherkommt.

Frage-Ich:
Du redest von Kreuzzügen und territorialer Expansion im Zeichen von Gottesgehorsam und Nächstenliebe?

Antwort-Ich.
Ja, zum Beispiel. Aber ich rede auch im Kleinen davon, dass sich selbst hinter den edelsten Charaktereigenschaften wie Demut oder Großherzigkeit ruhm- und selbstsüchtige Motive verbergen können.

Frage-Ich:
Angenommen du hast nun Recht, dass Christsein in der Breite viel stärker auf einer ideologischen Doktrin statt auf einer echten Gotteserfahrung beruht, welche Rolle spielt dann Gott für die Menschen?

Antwort-Ich:
Ich denke, das Gottesbild ist größtenteils sehr ambivalent. Einerseits wird ein Gott der Liebe proklamiert, anderseits kann ich mir gut vorstellen, dass sich negative Erfahrungen von Gewalt und Zwangschristianisierung so tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben haben, dass das Bild eines liebenden und vertrauenswürdigen Gottes doch sehr getrübt ist.

Frage-Ich:
Aber das ist ein paar Jahrhunderte her, müssten solche seelischen Verletzungen nicht irgendwann abheilen?

Antwort-Ich:
Das könnten sie, wenn nicht ständig und immer wieder der Name Gottes missbraucht würde, um die eigenen Machtansprüche durchsetzen.

Frage-Ich:
Du redest wieder von den Kreuzzügen?

Antwort-Ich:
Ich rede vor allem davon, dass der Name Gottes nicht nur politisch und religiös missbraucht wird, sondern herunter bis in die kleinste und anfälligste Gesellschaftszelle, der Familie. Ich rede davon, dass Kinder im Namen Gottes geschlagen werden, obwohl die Eltern eigentlich nur jähzornig sind. Oder Gott als „Big Brother“ benutzt wird, der alles sieht, damit die Kinder auch immer schön anständig sind, ihr Zimmer aufräumen und den Eltern auch ansonsten nicht zur Last fallen. Man muss sich also nur auf Gott berufen und schon kann man alles durchsetzen und jedermann hörig machen. Der Imageschaden, den Gott auf diese Weise erleidet, ist natürlich gewaltig.

Frage-Ich:
So gesehen kann man verstehen, dass Menschen, die nur schlechte Erfahrungen mit dem vermeintlichen Gott gemacht haben, aus der Kirche austreten. Woran meinst du, liegt es, dass auf der anderen Seite Menschen, die eigentlich gar nicht an Gott glauben, trotzdem in der Kirche bleiben?

Antwort-Ich:
Das hat meines Erachtens vor allem damit zu tun, dass irgendwie, wohl auch durch den Ablasshandel im Mittelalter, der falsche Eindruck entstanden ist, dass die Kirche eine Art Dienstleistungsunternehmen ist, welches im Austausch gegen finanziellen Zuwendungen – damals Ablasszahlungen, heute Kirchensteuer – den Glauben für einen übernimmt. Somit muss ich nicht mehr selber glauben, sondern lasse die Kirche für mich glauben, die dann schon dafür sorgt, dass ich, wenn es Gott wirklich geben sollte, in den Himmel komme. Diese Ansicht ist natürlich insofern fatal, als dass der Glaube kein Mittel ist, um in den Himmel zu kommen, sondern der Glaube, und damit die Beziehung zu Gott, den Himmel überhaupt ausmacht.

Frage-Ich:
Abschließende Frage, was kann die Kirche tun, um den persönlichen Glauben an einen liebenden und vertrauenswürdigen Gott zu stärken?

Antwort-Ich:
Zunächst einmal ist wichtig, dass die Kirche wieder als das verstanden wird, was sie ist; nämlich keine Institution, sondern eine Lebensgemeinschaft. D.h. es ist nicht die Aufgabe der Kirche, zwischen Gott und Mensch zu vermitteln, sondern es ist deren Aufgabe, einen Raum zu schaffen, wo Menschen Gott unmittelbar und vertrauensvoll begegnen, auch, indem sie einander vertrauensvoll begegnen.

Frage-Ich:
Ich danke für das Gespräch und sage, bis zum nächsten Mal.

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