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Kommt bald eine neue Spaltung?

By Chrblocom / 20. November 2013

By De Benny

Das Christentum hat ja in seiner langen Geschichte schon viele Kirchenspaltungen erlebt. Die Anzahl der Kirchen, Kofessionen und Glaubensgemeinschaften ist so unübersichtlich geworden, daß da wohl keiner mehr nen absoluten Überblick hat.

Die ökumenische Bewegung will hier Abhilfe schaffen und schafft dies in kleinen Schritten auch. Inzwischen erkennen Katholiken und Protestanten gegenseitig die Taufe an und die mit Rom unierten Ostkirchen benutzen im Gottesdienst das NC ohne “filioque”, weil man sich da zwischen Rom und Orthodoxie auch näher gekommen ist. Ein gemeinsames Abendmahl liegt trotzdem noch in weiter Ferne, das ist halt nicht ganz so einfach.

Was mir in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf geht ist die Spaltung in den evangelischen Landeskirchen zwischen eher konservativen und eher liberalen Kreisen. Oftmals geht es dabei ums Bibelverständnis: Die einen nehmen die Bibel eher wörtlich und sehen in ihr eine eigene Autorität, der man als Christ zu folgen habe, die anderen sehen in ihr ein historisches Zeugnis, das auf Christus verweist, die Autorität aller Christen.

Wahrscheinlich ist eine längere Auseinandersetzung darüber, was die Bibel ist und was sie uns bedeutet, angebracht und von Nöten. Allerdings besteht hier eben auch die Gefahr, die Trennung damit zu vollziehen und festzuklopfen. Andererseits sind auch so schon einige aus der Landeskirche ausgewandert und bilden eigene Gemeinden, in denen es dann etwa keine Frauenordination gibt, oder kein Abendmahl zwischen Reformierten und Lutheranern oder was heute meist Stein des Anstoßes ist: Die Haltung gegen über der Homosexualität. Manchmal spielt auch der Islam ne Rolle.

Immer geht es darum, daß die konservative Seite behauptet, eine Linie sei überschritten worden, die nicht mehr mitgetragen werden kann, während die Liberaleren betonen, daß die aktuelle Auslegung der fraglichen Sache noch auf dem Boden des Evangeliums stünde. So lange man sich nicht eing ist, wie man die Bibel auslegt, bzw was man sonst als vermittelnde Autorität in dem Streit annehmen sollte, sind solche Fragen kaum mit letzter Gültigkeit zu entscheiden (denn Konzilien können irren und für die Reformierten haben Bekenntnisse prinzipiell nur zeitlich relative Bedeutung).

Vor kurzem habe ich auf einer Seite von eher konservativen Christen meiner eigenen Landeskirche etwas vom Relativismus gelesen. Der Vorwurf war, daß die Landeskirchen tendentiell gar kein Bekenntnis mehr hätten und alles irgendwie gehen würde. Im Gegensatz dazu betonten jene konservativen Seitenbetreiber, daß ein festes Bekenntnis nötig und wichtig ist.

Ich würde da eine vermittelnde Stellung einnehmen: Einerseits hat jeder ein Bekenntnis, als Christ wohl mindestens das Bekenntnis zu Christus, wie auch immer das individuell verstanden wird. Und diese persönlichen Bekenntnisse sind vielleicht nicht ganz klar formuliert und meist auch widersprüchlich, aber sie sind insofern klar als daß der Betreffende meist sagen kann, was er glaubt und was nicht, wenn auch mit tastenden Worten (lieber tastend, als daß man etwas, das an sich unaussprechlich ist, durch eindeutige Worte unsachgemäß vereinfacht).

Ich meine aber, daß innerhalb einer Kirche, in der viele Individuen sind, die Gott je anders geschaffen hat, eine gewisse Varianz gegeben ist und sein muß. Sonst steht am Ende jeder alleine da, was dem Begriff “Gemeinde” ja so ziemlich widerspricht. Nicht jeder drückt die Dinge gleich aus, und das macht es IMHO schwierig, eine objektive Grenze zu ziehen, wann jemand Christ ist und wann nicht. Da ich in den anderen nicht reinsehen kann, weiß ich nicht einmal, ob er vielleicht doch genauso denkt wie ich und wir uns nur mißverständlich ausdrücken. Deshalb tendiere ich selbst dazu, all diejenigen als Christen anzusehen, die sich selbst so bezeichnen (und ja, womöglich sind auch welche darunter, die das nur sagen, aber nicht meinen, das kann ich aber nicht entscheiden, Gott weiß es). Das mag nach Relativismus aussehen, aber es ist der Sache geschuldet. Und solange sich jemand als Christ bezeichnet, kann ich mit ihm über unsere verschiedenen Glaubenswege reden, und wir beeinflussen einander vielleicht dahingehend, daß wir beide näher zu Gott kommen (letztlich liegt es eh bei Ihm).

Für mich persönlich kann ich ein klareres Bekenntnis fassen, was sich allerdings schlechter vorsagen läßt als sich vielmehr in meinen Antworten auf Rückfragen äußern kann. Jedenfalls so unvorbereitet, wie ich jetzt darauf bin.

Vielleicht läge im Formulieren und gegenseitigen Vortragen dieser Punkte ein Weg, Konservative und Liberale einander wieder näher zu bringen: Indem sie beide formulieren, wie ihr Bekenntnis aussieht, und anhand welcher Kriterien sie entscheiden, wer ein Christ ist und in die Kirche gehört.

Und zwar wäre es interessant, wenn dies einmal umgekehrt geschähe: Wenn die Liberaleren einmal persönliche Bekenntnisse formulieren und damit das ausdrücken, was den Konservativen so am Herzen liegt: Der echte, unrelativierte Glaube. Und wenn die Konservativen dann mal auf ein Bekenntnis verzichten würden und das formulierten, was den Liberalen wichtig ist: Inwieweit Varianz in den Ansichten der Gemeindeglieder sein kann, ohne daß jemand ausgeschlossen wird.

Interessanter könnte das werden, wenn die Liberalen versuchen, biblisch zu argumentieren. Die Konservativen könnten die Bibel einmal in den Hintergrund treten lassen und sich drauf besinnen, daß Luther sich in Worms auf Schrift und Vernunftgründe berief, und daher versuchen, die Grenzen der Kirche anhand allen Menschen einsichtlicher Gründe zu ziehen.

Was denkt Ihr? Würde das was werden? Ich vermute ja, daß keine der Seiten es überhaupt nur erwägen würde und statt dessen auf ihren Ansichten beharren. Wie sagte Gott noch gleich? “Es ist ein halsstarriges Volk.”









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