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Nachtrag zum Leib-Seele-Problem

By Chrblocom / 25. September 2013

Ein kurzer Dialog mit einem Freund hat mich dazu bewogen, wenigstens noch einen Satz zum Leib-Seele-Problem zu Papier zu bringen. Und das ist auch schon das Stichwort, denn indem ich etwas zu Papier bringe, fülle ich es mit Schrift. Die Schrift symbolisiert Information, ist aber nicht gleichbedeutend mit Information. D.h. bevor es nicht jemanden gibt, der die Schrift ausliest, ist Schrift nichts weiter als eine Aneinanderreihung bedeutungsloser Zeichen.

Was aber nun das Gehirn betrifft, da hat auch eine Neurostruktur keinerlei Bedeutung, bis sie von dem Bewusstsein (Ich) „ausgelesen“ wird. Wenn ich es aber bin, der die Gehirnstruktur ausliest, dann muss ich mich von ihr ebenso unterscheiden, wie sich Information von Schrift unterscheidet.

Auf der anderen Seite darf man sich das Ich nun natürlich nicht als ein kleines Männchen im Kopf vorstellen, dass die Neurostrukturen liest, schreibt und steuert, denn wenn dem so wäre, dann müsste man sich fragen: Womit denkt das kleine Männchen? Steckt also – wie bei einer Matrjoschka-Puppe – hinter dem kleinen Männchen noch ein kleines Männchen? Da das ein Zirkelschluss ist, der gar nirgends hinführt, scheint es stattdessen eher so zu sein, dass das Gehirn mit der Ausbildung von Bewusstsein die Fähigkeit erworben hat, sich selbst zu reflektieren.

Was aber bedeutet das? Sind wir dann doch nichts anderes als Materie und damit tot, wenn unser Gehirn tot ist? Ich stelle die Gegenfrage, ob Goethes Faust weg ist, nur weil wir alle seine Bücher verbrannt haben? Möglicherweise hat auch jemand vor dem großen Brand ein Exemplar noch schnell digitalisiert und in Form von Einsen und Nullen auf seiner Festplatte abgespeichert. Ist es dann weg, nur weil es einen anderen Träger hat?

Ebenso wenig also wie Information an Schrift gebunden ist, so scheint Bewusstsein an Materie gebunden zu sein. Wäre es anders, dann wären wir alle nach zehn Jahren weg vom Fenster. Aber obwohl der Stoffwechsel dafür sorgt, dass sich innerhalb von zehn Jahren alle Zellen erneuern und wir damit einen komplett neuen Körper haben, sind wir immer noch dieselben. Ganz ähnlich wie bei einem Wasserfall, wo das Wasser ständig wechselt, aber die Form immer dieselbe bleibt, ist es bei uns also scheinbar auch nicht das Material, sondern die Form – oder man könnte auch sagen: die Idee – die uns ausmacht.

Wenn man das alles berücksichtigt, dann passiert mit uns nach dem Tod vielleicht auch das, was mit einem Fax passiert und alle Informationen, die uns ausmachen, werden an einen neuen Träger versendet. Vielleicht muss man das Wort von Jesus, dass wir alle von neuem geboren werden müssen, aber auch viel wörtlicher nehmen und alle, die „aus dem Geist geboren sind“ (vgl. Johannes 3) besitzen bereits einen neuen Träger. Denn wer sagt eigentlich, dass etwas Geistiges, nur weil es sich unseren Sinnen entzieht, keine Substanz hat? Wenn dem so wäre, dann hätte schließlich auch Gott keine Substanz. So gesehen sind wir möglicherweise Architekten unserer eigenen ewigen Identität und jeder gute Gedanke, den wir haben, landet bereits auf unserem neuen Träger. Wenn dem so wäre, dürfen sich allerdings Menschen, die zwar bereits wiedergeboren sind, aber immer noch größtenteils schlechte Gedanken haben, nicht wundern, wenn sie nach ihrem körperlichen Tod so gut wie gar keine Identität haben.

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