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Notizen zum Leib-Seele-Problem

By Chrblocom / 25. September 2013

Ich schreibe das hier nur gerade runter, um es mir selbst besser zu merken. Lesen braucht das nun wirklich keiner.

In der Philosophie des Geistes gibt es, grob unterteilt, drei Hauptströmungen.

1. Dualismus
In der Vorstellung des Dualismus sind Körper und Geist zwei eigenständige Substanzen, die auf irgendeine, nicht näher zu bestimmende, Weise miteinander interagieren. Das heißt, der Geist beeinflusst den Körper und umgekehrt beeinflusst der Körper den Geist.

Das Problem ist allerdings: Wie soll es möglich sein, dass zwei völlig voneinander verschiedene Substanzen miteinander interagieren? Da also Körper und Geist keine gemeinsame Schnittmenge haben, kann es zwischen ihnen auch keine Schnittstelle geben.

2. Emergentismus
Der Emergentismus besagt, dass Geist eine vom Körper abhängige Substanz ist, die auf Emergenzprozessen beruht. D.h. die Natur macht in ihrer Entwicklung scheinbar immer wieder „Sprünge“, bei denen etwas völlig Neues entsteht. Indem sich also Teilchen (Zellen) zu einer immer komplexeren Struktur zusammengefügt haben, ist daraus irgendwann Geist und Bewusstsein hervorgegangen.

Das Problem ist ähnlich dem im Dualismus: Wenn Körper und Geist zwei völlig voneinander verschiedene Substanzen sind, dann kann es kaum möglich sein, dass die eine aus der anderen hervorgeht. „Emergenz“ ist demnach nichts weiter als ein Begriff, der dem Unerklärlichen einen Namen gibt.

3. Fiktionalismus
Den Fiktionalismus erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, da er mit der Wirklichkeit eigentlich nicht viel zu tun hat und sogesehen nur ein Kunstgriff ist, um dem Problem der Substanzenverschiedenheit aus dem Weg zu gehen. Für den Fiktionalismus gibt es nämlich gar nicht zwei Substanzen, sondern es gibt nur Materie. Geist ist lediglich eine Fiktion, also eine Art Illusion, die sich die Natur ausgedacht hat, weil die Imagination eines Bewusstseins scheinbar Überlebensvorteile mit sich bringt.

Neben dem genannten Problem, dass sowohl Verstand als auch (experimentelle) Erfahrung uns sagen, dass es zwischen Körper und Geist reale Wechselwirkungen oder Beeinflussungen gibt, die es aber nicht geben könnte, wenn der Geist nur eine Illusion ist, gibt es noch ein zweites: Aus welchem Grund soll Geist entstanden sein? Jedenfalls nicht aus einem Überlebensvorteil heraus, denn wenn Bewusstsein nur eine Illusion ist, dann ist relativ egal, was ich denke und fühle, da nichts davon irgendwelche Auswirkungen haben kann. D.h. nicht ich werde hinsichtlich meines Denkens und Fühlens getäuscht, sondern ich selbst bin die Täuschung – und kann daher mit meiner Umwelt (bzw. meinem Körper) ebenso wenig wechselwirken wie ein Film mit der Realität.

Ausweg aus dem Leib-Seele Problem

Sowohl der Dualismus als auch der Emergentismus scheitern daran, dass Körper und Geist zwei völlig voneinander verschiedene Substanzen sind. Beide Richtungen könnten aber wieder im Spiel sein, wenn sich herausstellen würde, dass sich die Substanzen ähnlicher sind als angenommen – oder möglicherweise sogar zwei Seiten derselben Medaille sind. Philosophen wie Leibnitz oder Whitehead haben so etwas schon geahnt. Beide waren sich einig, dass unter keinerlei Umständen aus etwas Altem etwas radikal Neues hervorgehen kann, weswegen die Vermutung nahe liegt, dass das Neue schon irgendwie im Alten enthalten sein muss. Daraus schlussfolgerten sie, dass nicht nur höher entwickelte Organismen über Bewusstsein verfügen, sondern selbst die kleinsten Teilchen bereits eine Art rudimentäres Bewusstsein (also eine Innenperspektive) besitzen. Wenn sich Bewusstsein demnach wie ein unsichtbarer Stoff durch die gesamte Materie zieht, dann entstehen dort, wo sich Teilchen zu komplexeren Strukturen zusammenfügen, gleichzeitig immer auch komplexere Bewusstseinszustände. Oder wie Whitehead das in einem berühmten Satz formuliert: „Die vielen Einzelnen werden Eins und so entsteht ein neues Einzelnes“.

Die moderne Quantenphysik scheint diese Ansicht bestätigen zu können, da man experimentell herausgefunden hat, dass kleinste Teilchen hin und wieder ähnliche Eigenschaften an den Tag legen wie das Bewusstsein. D.h. dass Quanten aller Erkenntnis nach nicht mechanisch determiniert sind, sondern in manchen Fällen scheinbar „frei“ über Aufenthaltsort (Tunneleffekt), Bewegungsrichtung (Doppelspaltexperiment) oder Quantenzustand (Teilchen oder Welle) entscheiden können.

Was mir das alles sagt

Was die Quantenmechanik angeht, da steht die Physik wohl noch ganz am Anfang ihrer Entdeckungsreise, weswegen es viel zu früh ist, da jetzt ein neues Weltbild herausschälen zu wollen. Die wohl seriöseste Behauptung, die man aufstellen kann, ist daher meiner Meinung nach die, dass das alles „krasser Scheiß“ ist. D.h. es scheint so, als dass die Welt völlig anders ist als man dachte – Masse ist Energie, Teilchen sind Wellen, Materie ist Geist und der Urgrund von allem ist Information – aber wie das halt so oft im Leben ist: „Nichts Genaues weiß man nicht“ – und wird es vielleicht auch nie wissen.

Mein Glaube bleibt von alledem völlig unberührt, denn Gott wird man auf physikalischem Weg sowieso niemals begreifen. Und was das Leib-Seele-Problem angeht, auch da tappen wir mehr oder weniger im Dunkeln, was insofern nicht schlimm ist, als dass meine Identität nicht davon abhängt, aus welchem Stoff ich gemacht bin, sondern davon, wer ich bin. Es ist also immer eine Frage der Perspektive: Ich kann sagen, ich bin ein bloßes Teilchenkonglomerat oder ich kann sagen, ich bin die Idee eines ewigen und allmächtigen Gottes. Wenn zweites zutrifft, dann hängt mein Schicksal nicht von meiner körperlich-geistigen Beschaffenheit ab, sondern einzig und allein von dem Willen eines vermögenden Gottes.

In Bezug auf das ewige Leben könnte ich jetzt also versuchen, mithilfe der Quantenverschränkung umständlich zu erklären, warum keine Information in diesem Universum jemals verloren geht und daher auch das Bewusstsein ewigen Bestand hat – oder ich sage einfach: Ich habe das ewige Leben, weil der ewige Gott es so will.

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