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Rechtfertigung und Gnade

By Chrblocom / 10. Juli 2014

By De Benny Rechtfertigung und Gnade. Die Begriffe mögen ja in Ordnung sein. Ich fühle mich nur nicht in einer Gerichtssituation. Man nimmt einen in einer normalen positiven liebevollen Umwelt aufgewachsenen Menschen, zwingt ihn in eine Situation, wo er sich dafür rechtfertigen muss, dass er da ist, und bietet dann göttliche Gnade als Ausweg an. Damit hat der Missionar bei mir nur ein Problem gelöst, dass ich ohne ihn nicht hätte. Das kann es nicht sein.
So schreibt Thomas in einem Artikel über den Grundlagentext “Rechtfertigung und Freiheit” der EKD. Er schreibt noch einiges mehr, seht es Euch an. Ich blieb aber an dem Absatz hängen, weil ich da eine etwas andere Sichtweise habe und diese anbieten will.
Thomas schreibt, er fühle sich nicht in einer Gerichtssituation, und deshalb könne der Missionar beim ihm nur ein Problem lösen, das er zuerst schaffen muß.
Sprich: Ein Problem besteht nicht. Der Missionar bringt in dem Fall keine neue Erkenntnis.
Ich möchte dem freundlich und doch bestimmt widersprechen (und ich werde wohl auf böse Wörter wie “Schuld” und “Sünde” zurückgreifen müssen).
Es geht ja nicht um Rechtfertigung oder Gnade in abstrakter Weise, sondern ganz konkret um die Rechtfertigung des Sünders (also mir oder Dir oder jedem Menschen) aus der Gnade Gottes, der dies alles nicht bräuchte. Nun stellt sich aber die Frage: Wieso Rechtfertigung? Hab ich denn etwas falsch gemacht? Habe ich Schuld auf mich geladen?
Ja, lautet die einfache Antwort, hat jeder. Man mag die Meinung vertreten, das sei ja alles nicht so schlimm udn eine kleine Notlüge oder mal im Laden was mitgehen lassen, das schadet doch keinem, aber das stimmt so (meist) nicht. Und darum geht es: Wir alle laden früher oder später Schuld auf uns (das géht in der Regel weit über Notlügen hinaus) die andere Menschen tatsächlich schaden. Das liegt daran, daß wir Sünder sind (und daran können wir nichts ändern, das ist so). Aber diese Information geht für dieses Thema eigentlich schon zu weit, beschränken wir uns auf die Schuld.
Der Schaden, den wir anrichten, kriegen wir nicht mehr aus der Welt. Wir können auch nichts wieder gut machen, denn das Ideal ist ja gerade die Idealität, also kein Schaden. Man kann nicht weniger als keinen Schaden anrichten, um vorherige Schäden auszugleichen, der Schaden bleibt bestehen. Ich denke, dem kann man auch als Mensch, der in einer positiven, liebevollen Umwelt aufgewachsen ist, zustimmen.
Nun stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung schon anders. Rechtfertigung ist weder Liebe, Würdigung, Vergebung oder Freiheit, aber Rechtfertigung ist nicht so weit entfernt von Annahme, und darum geht es, würde ich sagen.
Wir sehen das Problem: Viele viele Menschen, die Dreck am Stecken haben. Und wir sehen keine Lösung: Als Sünder (nun brauch ich es doch) kommen wir davon auch nicht los, so sehr wir uns anstrengen. Wie können wir da vor Gott bestehen?
Ich versuche noch einmal eine Übersetzung: “Bestehen” heißt hier nicht, daß man sich vorstellen muß (einige tun es doch, wenn es ihnen hilft ist es so verkehrt auch nicht), daß Gott hier als Prüfer auftritt, der jeden auf Rechtschaffenheit testet und man diesen Test bestehen muß oder ein Stockwerk tiefer kommt… “Bestehen” kann man sich auch so denken: Wenn ich am Ende des Jahres mir einen Mallorca Urlaub leisten kann und der Nachbar fliegt für ne 6 wöchige Kreuzfahrt in die Südsee, dann muß ich mich ja schämen, daß ich so wenig verdient habe.
Ist natürlich Murks, sich so nach anderen auszurichten (übrigens auch in der umgekehrten Richtung: Runtersehen auf die, die sich “nur” Balonien leisten können), aber Hand aufs Herz: Wir tun das alle in der ein oder anderen Situation.
Das kann man auf Gott übertragen: Auf der einen Seite stehen wir, mit all unseren Fehlern, auf der anderen Seite Gott, der alles kann, alles weiß (das ist wohl das grundsätzliche Problem, wenn der Nachbar meint, wir fahren Ski in Aspen oder Sankt Moritz liegt die Sache auch anders)… wie kann ich da bestehen? Wieso sollte der etwas mit mir zu tun haben wollen? (wir übertragen praktisch den anderenMurks mit dem Heruntersehen auf Gott)
Rechtfertigung bedeutet nun nichts anderes als genau das: Daß der Murks auch als Murks benannt wird. Es speilt keine Rolle, wo Du Urlaub machst oder ob Du dem Nachbarn aus Eifersucht den Benz zerkrazt hast. (jetzt müßte man nochmal extra auf Buße eingehen, aber ich unterstelle dem geneigten Leser einmal, das selbst einbauen zu können) Gott nimmt Dich trotzdem an. Er sieht nicht auf Dich und Deine Fehler herab. Er könnte das zwar, weil Er einfach mehr drauf hat als Du, aber Er tuts nicht, hat es nicht nötig. (wär ja auch ein Unsympath, wenn er es täte)
Der Unterschied zu uns, die wir das auch nicht tun: Wir tuns manchmal trotzdem. Runtersehen, uns mit anderen vergleichen. Und wir können uns auch oft nicht vorstellen, daß Gott das ganz ohne Gegenleistung tut, also uns annehmen. (wie gesagt, auf die Buße müßte man noch eingehen – und die katholische Kirche und die Werkgerechtigkeit, aber das führt nu wirklich zu weit)
Fazit: Ich denke nicht, daß wir auf die Begriffe Rechtfertigung und Buße verzichten sollten. Täten wir das, würden wir einen bedeutenden Aspekt des menschlichen Lebens ausblenden: Den Mißerfolg, das Boshafte, die Unperfektion. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein, auch wenn wir behütet aufgewachsen sind. Viele andere sind das nicht, und wir haben, mal mehr, mal weniger, unseren Anteil daran. Deshalb brauchen wir Rechtfertigung, deshalb müssen wir Buße tun (vulgo: uns ändern), und all das kriegen wir von Gott für umme (gratis, kommt von gratia = Gnade).

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von: De Benny

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