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Studien belegen – zwei Wörter, die nerven!

By Chrblocom / 25. September 2013

Auch ein Grund, warum ich mir politische Talkshows so ungern ansehe, ist die Angst, dass das Ganze – wie so oft – in eine Studienschlacht ausartet. Der eine führt also Studie A ins Feld. Der andere hält mit Studie B dagegen. Und der dritte pocht auf Studie C, die klipp und klar belegt, dass A und B falsch sind. Wobei der ganze Firlefanz dann zumeist darin mündet, dass eigentlich keiner mehr dem anderen richtig zuhört, weil alle nur noch damit beschäftigt sind, ihre Studien zu verteidigen.

Die Wortgewalt, mit der die Studien präsentiert werden, soll nun allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Studien streng genommen nichts beweisen, sondern lediglich dazu dienen, um subjektive Überzeugungen oder Vorannahmen zu quantifizieren. D.h. Studien funktionieren, indem ich sie vorne mit einer Prämisse füttere, diese mithilfe einer ausgeklügelten Methode überprüfe und anschließend gucke, was hinten an Ergebnissen rauskommt. Weil ich aber von Anfang an ein Wunschergebnis im Kopf habe, wähle ich natürlich eine Methode, von der ich ausgehe, dass sie die Prämisse stützt, weswegen ich hinten raus auch nicht groß überrascht bin, wenn das gewünschte Ergebnis auch wirklich eintritt. In diesem Fall brauche ich die Publikation dann nur noch mit einem Sprachgebrauch zu würzen, der Objektivität und Unvoreingenommenheit vermittelt – und schon habe ich etwas „bewiesen“. Tritt das gewünschte Ergebnis allerdings nicht ein, nun ja, dann lass ich mir halt mit der Veröffentlichung Zeit und schraub‘ lieber noch ein bisschen an der Prämisse oder Methode rum, bis mir das Ergebnis dann endlich zusagt.

Das Ganze erinnert an die Geschichte mit dem Fischer, der felsenfest davon überzeugt ist, dass alle Fische im Meer größer als 5cm sind, dabei aber vergisst, dass die Maschen seines Fischernetzes genau 5cm breit sind. Nur, dass man sich bei einer Studie halt im Vorhinein überlegt, welche Maschen man braucht, um die Fische zu fangen, die man haben will (bzw. um die Fische zu fangen, für die die Auftraggeber bereit sind zu zahlen).

Wer nun ständig mit Zahlen, Statistiken und Studien um sich wirft, der ist nach der Definition von Erich Fromm ein typischer „Haben-Mensch“, da es ihm genügt, Ergebnisse zu besitzen, ohne dass er Zeit damit verschwenden muss, über Inhalte nachzudenken. Was dabei leider verloren geht, ist die Fähigkeit zum kritischen Denken, bzw. zum Denken überhaupt, denn wenn ich immer nur (fremde) Ergebnisse zitiere, dann behalte ich vielleicht oberflächlich Recht, habe aber die Oberfläche nie verlassen, um in die Inhalte wirklich mal einzutauchen, wozu natürlich auch gehört, sie kritisch zu hinterfragen und offen für neue Wendungen zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Talkshows so elend langweilig sind.

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