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Ungefragt geantwortet

By Chrblocom / 29. Oktober 2013

By De Benny

Man soll ja nicht ungefragt irgendwo reinreden, aber mir juckt es in den Fingern, auf einige Äußerungen im Kommentarbereich bei Mandy zu antworten:

Hans-Peter:

Bin neu hier und muss mich erst orientieren. Es wird ziemlich oft aus der Bibel zitiert. Erste Frage: sind wir uns einig, dass auch eine Menge Unmoralisches in der Bibel steht? Wenn ja – zweite Frage: nach welchen Kriterien wählt ihr aus was “wertvoll” ist?

Wertvoll ist die Bibel als Zeugnis, nicht als Steinbruch. “Wertvoll” ist nicht das ein oder andere Wort, oder der fünfte Buchstabe auf der siebten Seite, sondern wichtig ist, was die Geschichten uns sagen, wie sie uns berühren und inwiefern sie uns weiterbringen, im Denken, im Glauben, im Leben. Auch aus Unmoralischem kann man lernen, wenn man etwa lernt es als solches zu erkennen, und aus Moralischem kann man Schaden nehmen, nämlich dann, wenn es stur ohne Nachdenken durchgesetzt wird gegen alle Widerstände. So ist es zum Beispiel moralisch, wenn Tiere nicht in Versuchsanlagen gequält werden. Trotzdem ist es Unsinn, deshalb nun Tiere befreien zu wollen, die hierzulande nicht überleben können. Oder Tiere in die freie Natur zu bringen, die nie gelernt haben, dort zu überleben. Andersrum könnte man es als unmoralisch ansehen, einem Süchtigen Drogen zu besorgen. Wenn man allerdings Drogen besorgt, die nicht durch irgendwelche noch gefährlicheren Stoffe gestreckt sind, kann das ein Fortschritt sein. Den Transfer auf die Bibel überlaß ich Dir

Ich meine die Stellen in der Bibel, die nach unserer heutigen Ethik nicht akzeptabel sind: Ungehorsame oder fluchende Kinder töten, Todesstrafe auch für Homosexuelle oder Andersgläubige, Anleitungen zur Sklavenhaltung, etc.
Sind diese Stellen ungültig oder müssen sie interpretiert werden oder sind sie weniger wichtig oder…?
Also ein Kriterium (gibt es noch weitere?) ist “von Jesus gesagt”. Gilt für von Jesus Gesagtem, dass alles davon wichtig und wertvoll ist, oder muss man da auch unterscheiden?

Was das Töten ungehorsamer Kinder angeht handelt es sich um einen Gesetzestext. Gesetze ändern sich. So war es vor ein paar Jahren noch nicht strafbar, seine Kinder zu schlagen. Heute ist es strafbar. Und wenn man weiter zurückgeht in der Geschichte, dann konnten die Eltern (genauer: Der Vater) eben auch über Leben und Tod entscheiden. Heutzutage kommt das in einem anderen Kontext wieder zurück: So entscheiden die Eltern sich bei einer Abtreibung gegen das Leben des Kindes, nicht wegen Ungehorsam oder Fluchen, sondern weil es krank ist oder grad ungelegen kommt. Ähnliche Überlegungen spielen eine Rolle bei der Diskussion um die Euthanasie. Die Gründe für das Töten ändern sich anscheinend mit der Kultur, der Sachverhalt an sich nicht. Was den Bibeltext angeht könnte man sich überlegen, ob die Aussageintention ist, daß da jemand getötet werden soll, oder daß jemand ein bestimmtes Handeln (Ungehorsam, Fluchen) unterlassen soll. Heute scheint das Nebensächliches zu sein, wenn man aber bedenkt, daß zum Ungehorsam auch gehörte, seine alten Eltern verhungern zu lassen, wenn sie zu alt sind noch für sich selbst zu sorgen, dann bekommt das Ganze vielleicht eine andere Richtung. Zum Fluchen weiß ich jetzt gar keine Bibelstelle, aber das könnte damit zusammenhängen, daß der Fluch gegen die Religionsregeln war und die Religion quasi den Bestand der Gesellschaft garantierte (wenn jeder tut, was er will hat man kiene Gesellschaft mehr, sondern lauter Individuen und der Stärkste setzt sich zum Übel aller anderen durch – will auch keiner, außer der Stärkste selbst), war man bei Angriffen darauf empfindlich. Ebenso wie später die Römer, als sie die Christen zum Götzenopfer zwingen wollten, damit der Staatskult nicht geschädigt wurde, weil es sonst nicht viel gab, was das Reich ideell zusammenhielt.

Was die Homosexuellen angeht, fällt mir da nur eine Stelle ein, die die Todesstrafe fordert, und ob es dabei um Homosexuelle geht, ist IMHO mindestens unklar. Es geht womöglich tatsächlich um Analsex, was aber eben keine Homosexualität ist, sondern ein Handeln, daß auch Heteros zur Erniedrigung anderer vollziehen können (soll in Gefängnisduschen öfter vorkommen).

Die Todesforderung gegen Andersgläubige kommt in einem Kommentar weiter unten nochmal, also warte ich erst einmal mit der Antwort darauf.

Allgemein kann man sagen, daß es sich bei den meisten Regelungen um Sachverhalte handelt, die man heute womöglich auch ahnden würde, oder die Ähnlichkeiten mit heutigen Straftaten haben. Die Strafen sind milder geworden, wobei das auch nur für Westeuropa gilt. Woanders gibt es Todesstrafen noch. Wir Westeuropäer lehnen sie inzwischen wohl mehrheitlich ab. Geht mir auch so. Wollte man die Gesetze in der Bibel in unsere Kultur übertragen, müßte man die Strafen entsprechend unserem Verständnis abmildern. Wollte man sie in die laizistischen USA übertragen, müßte man wohl nicht so viel abmildern. Dort gibt es ja auch noch die Todesstrafe. Was die geahndeten Straftaten angeht kann man überlegen, was man damals damit verhindern wollte, daß man es verfolgte und sich überlegen, inwiefern das heute ebenso erstrebenswert wäre. Ich denke, daß der gesellschaftliche Zusammenhalt auch heute noch ein hohes und schützenswertes Gut ist. Gleiches gilt für die Versorgung der Alten udn Schwachen.

Und ganz egal, ob man sich nicht mehr mit ungehorsamen Söhnen rumärgern will oder ob es nur in letzter Konsequenz ist um die Familie zu schützen – es ist in unserer Zeit unmoralisch und würde auch strafrechtlich geahndet.

Was ist unmoralisch? Die Familie zu schützen? Doch wohl kaum! Oder die Todesstrafe? Das ist, wie ich oben bereits schrieb, weltweit noch umstritten. Und wenn man überlegt, wie oft Todesstrafen für Kinderschänder gefordert wird, ist es wohl auch hier noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden. Ich glaube nicht, daß es heute strafrechtlich geahndet werden würde, wenn jemand in einem anderen Land nach den dort gütligen Gesetzen (und um nichts anderes handelt es sich doch wohl!) hingerichtet wird. Es gibt hier zwar allenthalben emotionale Aufschreie, wenn in den USA jemand hingerichtet wird (bei chinesischen oder Saudischen Dissidenten ruft man so laut nicht…), aber es wurde noch kein US Henker bei einem Urlaub in Europa strafrechtlich verfolgt für seinen Job zu Hause.

Andersgläubige töten: Deuteronomium 13, 7 – 16

Sehen wir uns den Text an:

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