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Vom Haben zum Sein

By Chrblocom / 25. September 2013

Nun ist der Unterschied zwischen dem, was Erich Fromm eine „Lebensweise des Seins“ nennt, und dem, was er eine „Lebensweise des Habens“ nennt, so enorm wichtig, dass ich nicht darum herum komme, auch darüber etwas zu schreiben. Damit es nicht allzu trocken wird, gleich zu Beginn ein paar Beispiele:

Als Ausdruck eines positiven Lebensgefühls kann man z.B. Glück haben oder glücklich sein. Oder man kann Glauben haben oder gläubig sein. Oder Liebe haben oder liebevoll sein.

Als Ausdruck eines negativen Lebensgefühls kann man dagegen z.B. Angst haben oder ängstlich sein. Oder auch Hass haben oder gehässig sein.

In all diesen Fällen ist der Unterschied zwischen Haben und Sein, dass Haben immer eine Grenze markiert, während das Sein in etwas aufgeht. D.h. wenn ich Glück habe, dann ist das Glück etwas, dass ich in Besitz genommen habe, aber ich bin nicht das Glück. Wenn ich dagegen glücklich bin, dann hat das Glück von mir Besitz ergriffen, wobei ich mit dem Glück so sehr eins geworden bin, dass ich mich nicht mehr davon unterscheiden kann. Und im Negativen genauso: Wenn ich Angst habe, dann gibt es zwischen mir und der Angst immer noch einen Unterschied, der jedoch wegfällt, wenn aus „Ich habe Angst“ ein „Ich bin ängstlich“ wird.

Nun ist es nicht schlimm, in manchen Momenten im Leben Angst zu haben, bzw. da Angst eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers ist, die einem vor Schaden bewahren kann, wäre es wahrscheinlich lebensgefährlich, gar keine Angst zu haben. Schlimm wird es allerdings dann, wenn man nicht Angst hat, sondern wenn es die Angst ist, die von einem Besitz ergreift und man ängstlich wird. Auf der anderen Seite kann man noch so viel Glück im Leben haben, aber es wäre schlimm, wenn man trotzdem nicht glücklich ist. Und ebenso ist es ein Trugschluss, Liebe aufbringen (haben) zu wollen, anstatt sich von der Liebe in Besitz nehmen zu lassen.

Aus den Beispielen sollte deutlich werden, dass es ein Haben gibt, das notwendigerweise zum Sein werden muss (aus Glück muss glücklich, aus Glaube gläubig und aus Liebe liebevoll werden) und es umgekehrt ein Haben gibt, das auf gar keinen Fall zum Sein werden darf (aus Angst darf nicht ängstlich und aus Hass nicht gehässig werden). Denn scheinbar ist Sein nicht gleich Sein, sondern es gibt positives und negatives Sein, bzw. es gibt die Existenzform des Seins und die des Nicht-Seins. Ist das Sein progressiv, konstruktiv und lebensbejahend, dann ist das Nicht-Sein im Gegensatz dazu regressiv, destruktiv und lebensverweigernd.

Haben ist so gesehen immer ein Haben zum Sein oder ein Haben zum Nichtsein. Ein Haben zum Sein z.B. im Fall von Petrus, der genug Glauben hat, um auf Jesu Geheiß das Boot zu verlassen, aber erst gläubig wird, nachdem sich das Wasser tatsächlich als tragfähig erwiesen hat. Und ein Haben zum Nichtsein z.B. bei einer Tochter, die Angst vor ihrem gewalttätigen Vater hat, wobei sich die Angst im Laufe der Zeit verselbständigt und sie sich zu einer ängstlichen Person entwickelt.

Ist das Haben aber erst einmal zum Sein oder Nichtsein geworden, dann ist es so sehr mit der eigenen Person (Persönlichkeit) verwachsen, dass man immer mehr davon haben will, was man ist. Wenn ich also im Sein bin und mich auf die Liebe ausrichte, dann wird die Liebe immer mehr von mir Besitz ergreifen. Wenn ich dagegen im Nichtsein bin und Hass oder Angst kultiviere, dann werde ich immer mehr damit verschmelzen, bis ich irgendwann – wenn mich keiner aus diesem Teufelskreis erlöst – gar nicht mehr bin.

Fortsetzung folgt…

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