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Warum der Mensch nur in einer Theokratie kein Arsch sein muss

Mal ein bisschen Staatslehre: Thomas Hobbes hatte den Leviathan seinerzeit geschrieben, um dadurch die Monarchie zu stützen, in der es einen Souverän gibt, der für das Wohl aller anderen verantwortlich ist. Er begründet dies sozialpsychologisch. Da nämlich alle Menschen von Natur aus nach Selbsterhaltung und Lustgewinn streben, versucht sich jeder auf Kosten der anderen zu verwirklichen. D.h. je mehr Macht und Güter man anhäuft, desto bessere Chancen hat man, sich selbst zu erhalten, bzw. desto größer fällt der Lustgewinn aus. Daraus erwächst natürlich eine unzähmbare Gier, die dazu führt, dass die Starken immer mehr und die Schwachen immer weniger besitzen. Da die Schwachen aber ebenso wie die Starken nach Selbsterhaltung und Lustgewinn streben, lassen sie sich die Missstände nicht einfach gefallen, sondern schlagen zurück, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Wozu das alles führt, das fasst Hobbes in seinem wohl berühmtesten Satz zusammen: „Homo homini lupus“ – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf!
Aus dieser Einsicht begründet er dann die absolute Monarchie, denn da unter diesen Verhältnissen von Angst und Misstrauen keiner vernünftig leben kann, bedarf es eines Souveräns, der für Recht und Ordnung sorgt. Das Problem dabei ist nur, dass der Souverän auch nach Selbsterhaltung und Lustgewinn strebt, weswegen für ihn die Versuchung natürlich groß ist, seine Macht für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.
Trotz der offensichtlichen Gefahr, dass der Souverän zum Despoten verkommt, sieht Hobbes in der absoluten Monarchie mangels Alternativen dennoch die bestmögliche Staatsform.
Andere Denker haben das natürlich völlig anders gesehen und spätestens im Zuge der französischen Revolution hat man entschieden, dass die Gefahr, die von einem Souverän ausgeht, viel zu groß ist und daher alle Macht allein vom Volk ausgehen muss. Wenn aber auf einmal nicht mehr nur einer, sondern alle zusammen das Sagen haben, dann bedarf es, damit aufgrund von Eigendünkel nicht wieder Chaos ausbricht, eines Gesellschaftsvertrages, auf den sich alle einigen können und der daher auch von allen freiwillig eingehalten wird.
Nun hat die Philosophiegeschichte eine Menge Gesellschaftsverträge hervorgebracht; einer, der mir besonders gut gefällt, ist der von John Rawls. Kurz angerissen beruht er auf der theoretischen Annahme, dass sich die Menschen, während sie über eine gerechte Gesellschaftsordnung nachdenken, unter einem Schleier des Nichtwissens befinden. D.h. keiner kennt seine Position, die er in der Gesellschaft einnehmen würde und idealerweise ist sich niemand noch nicht einmal sicher, welche Qualifikationen und Fähigkeiten er mitbringt. Da somit die Gefahr auf einmal groß ist, eine schwache gesellschaftliche Position einzunehmen, sollte jedem daran gelegen sein, dass jede Position gute und lebenswerte Bedingungen bietet.
Das Problem von Rawls Theorie ist natürlich, dass es lediglich ein Gedankenspiel ist und damit nicht praxisrelevant, da die gesellschaftlichen Positionen schon längst vergeben sind. Und dennoch wird sehr deutlich, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, wenn die Leute nach Gerechtigkeit und eben nicht nach Selbsterhaltung und Lustgewinn streben würden. Da die Positionen allerdings schon längst vergeben sind, ist der innere Zwang, das Eigene zu verteidigen und zu vermehren natürlich stärker als das Streben nach Gerechtigkeit. Und somit legt die Praxis dann auch die große Schwäche der Demokratie offen; dass nämlich diejenigen, die in gute Verhältnisse hineingeboren werden, immer am längeren Hebel sitzen und daher viel größeren Einfluss nehmen können als die gesellschaftlich Unterprivilegierten. Und da jeder im Normalfall zu seinen eigenen Gunsten Einfluss nimmt, bleibt dann auch in der Demokratie der Mensch dem Menschen ein Wolf. Nur dass es, wie in der Monarchie, keinen Oberwolf gibt, sondern ein starkes und ein schwaches Rudel, die sich gegenseitig bekriegen.
Natürlich ist das ganz so schwarz weiß auch alles nicht, denn zum Glück hat jeder Mensch auch einen mehr oder weniger gut ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der ihn dazu befähigt, die eigenen Interessen hinter denen der Sozialgemeinschaft zurückzustellen. Aber wie das halt so ist endet das Streben nach Gerechtigkeit in der Regel dort, wo der eigene Nachteil zu groß wird.
Insofern ist die Demokratie möglicherweise die zurzeit bestmögliche, aber immer noch keine gute Staatsform, da auch sie Ungerechtigkeit nicht verhindern kann. Mit der Gerechtigkeit ist es aber so: Jeder spürt, dass Altruismus eine viel höhere, edlere und menschlichere Eigenschaft ist als Egoismus. Und so war z.B. auch jedem klar, dass der Kapitän des kürzlich gesunkenen Schiffes an Bord bleiben hätte müssen, statt als Erster zu fliehen. Aber sei es aus Angst oder aus übertriebener Selbstliebe – der Mensch neigt nun einmal dazu, sich höher zu schätzen als den Anderen, weswegen das eigentliche Problem nicht der Staat, sondern der Mensch selbst ist.
So gesehen wäre ein absolut gerechter, selbstloser und nicht korrumpierbarer Souverän, der den Menschen die Richtung vorgibt, die sie von selbst aus nicht einschlagen können, tatsächlich die bestmögliche Staatsform. Da solch ein moralisch unfehlbarer Souverän aber kein Mensch sein kann, liegt viel Hoffnung in dem biblischen Zeugnis, dass die Gesellschaft im Letzten nicht demokratisch, sondern theokratisch gedacht ist. Allerdings ist auch – das sieht man an der Geschichte Israels – eine Theokratie, in der Gott selbst die Richtung vorgibt, zum Scheitern verurteilt, insofern der Mensch in diese Richtung gezwungen werden muss, ohne einen natürlichen Drang zu verspüren, diese Richtung von sich aus einzuschlagen. Und daher ist das Bild, welches das Alte Testament von einer Theokratie zeichnet, auch nicht vollständig. Was fehlt, ist der neutestamentliche Gedanke, dass Gott nicht nur von außen, sondern auch von innen regiert, indem er die Herzen auf die von ihm vorgegebene Richtung neu justiert. Und natürlich: Wenn es Gott ist, der den Menschen erhält und wenn es Gott ist, der den Menschen glücklich macht, dann benötigt der Mensch seinen egoistischen Antrieb gar nicht mehr und kann sich ganz ohne Angst, zu kurz zu kommen, um die Anderen kümmern.

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von: Felsen Blog

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