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Was bedeutet das: Was ihr auf Erden bindet oder löst, soll auch im Himmel gebunden oder gelöst sein

By Chrblocom / 25. September 2013

Der Satz stammt von Jesus und steht im 18. Kapitel des Matthäusevangeliums:

Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden bindet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden löst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Binden und lösen – das gehörte damals zur täglichen Praxis der Rabbiner, die auch eine Art Richteramt innehatten und daher – anhand des mosaischen Gesetzes – über Rechtsfragen entscheiden mussten. Angenommen also, zwei Juden hatten sich gestritten, dann brachten sie die Streitsache vor den Rabbiner ihres Vertrauens, woraufhin es dann dessen Aufgabe war, das mosaische Gesetz auf diesen Einzelfall herunterzubrechen. War es ihm möglich, das Gesetz auf den Einzelfall anzuwenden, dann galt dieses Gesetz als verbindlich. War ihm das nicht möglich, dann musste er den Fall vom Gesetz „loslösen“, bzw. das Gesetz für unverbindlich erklären. Hatte also z.B. jemand etwas gestohlen, dann hatte er damit ziemlich eindeutig gegen das Gesetz verstoßen, weswegen er in diesem Fall auch durch das Gesetz verurteilt werden musste. Wurde er dagegen fälschlicherweise des Stehlens bezichtigt und hatte sich eigentlich nur etwas ausgeliehen, dann griff das Gesetz nicht und er musste freigesprochen werden.

Wenn nun Jesus seinen Jüngern die Aufgabe des Bindens und Lösens anvertraut, dann überträgt er ihnen damit die große Verantwortung, anhand der Schriften selbst zu entscheiden, was richtig und falsch ist. So gesehen ist das, was Jesus da tut, ein großer Schritt hin zur Mündigkeit des Menschen: Es ging nie darum, stur irgendwelchen Gesetzen zu folgen, sondern es geht darum, selbstverantwortlich zu entscheiden, was das Beste für den Menschen ist. Und so konnte Jesus selbst am Sabbat Ähren pflücken, da er in diesem Fall das Gesetz der Sabbatruhe dadurch „gelöst“ hat, indem er das Wohl des Menschen über die Ruheverordnung stellt (der Mensch ist nicht für das Gesetz da, sondern das Gesetz für den Menschen).

Wenn das Gesetz aber demnach eine Art Orientierungshilfe für selbstverantwortliches Handeln ist, dann erklärt das vielleicht auch, warum das mosaische Gesetz so resolut und die Strafen so hart sind. Denn ebenso, wie man auf einer Landkarte nur weiß, wo man sich gerade befindet, wenn die äußeren Grenzen eingetragen sind, müssen auch im Gesetz die äußersten Grenzen moralischen Verhaltens und die entsprechenden Strafen für Fehlverhalten eingezeichnet sein. Um also zu wissen, was richtig und falsch ist, muss sich der Mensch über die Schwere einer Tat und deren Folgen voll bewusst sein. Dabei sind es dann aber zwei Paar Schuhe, einen Menschen aufgrund der Schwere seiner Tat zum Tode zu verurteilen oder sich der Schwere seiner Tat zwar bewusst zu sein, aber dennoch Barmherzigkeit walten zu lassen.

Bei alledem stellt sich natürlich jetzt die Frage, ob es nicht leichtsinnig von Jesus war, das Amt des Lösens und Bindens an seine Jünger (Nachfolger) zu übertragen, wo doch die meisten von ihnen weder Rabbis waren, noch sonst irgendeine juristische Ausbildung genossen haben. Aufgrund welcher Kompetenz sollten sie also einen Fall entscheiden? Die Frage beantwortet sich zwei Verse später, wo Jesus sagt: „Denn wenn zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“. Unter Berücksichtigung, dass speziell im Judentum der Name immer auch den Charakter widerspiegelt, geht es also scheinbar um Folgendes: Nicht Wissen oder Expertise führen zu einem gerechten Urteil, sondern alleine der Umstand, dass man das Urteil im Charakter und Geist Jesu fällt – der gemeinhin immer nach Barmherzigkeit, Liebe und Güte strebt. Schenkt er uns also seinen Geist, dann tragen wir die notwendige Expertise bereits in uns.

Trotzdem könnte man immer noch fragen, ob es nicht gefährlich ist, wenn das, was Menschen entscheiden, auch für Gott Gültigkeit haben soll – denn genau das ist mit „Was ihr auf Erden bindet oder löst, soll auch im Himmel (bzw. vor Gott) gebunden oder gelöst sein“ gemeint. Vielleicht muss man, um das zu verstehen, an streitende Kinder denken, die mit ihrem Geplärre Vater und Mutter belästigen, woraufhin diese meinen, sie sollen das gefälligst unter sich ausmachen. Nur halt, dass es bei Gott nicht darum geht, dass er keine Lust hat, sich um unsere Angelegenheiten zu kümmern, sondern vielmehr, dass er sich extra nicht von außen einmischt, damit wir lernen, von innen heraus (also aus dem Geist heraus – und somit wiederum aus Gott heraus) das Richtige zu tun, um so überhaupt zu mündigen und selbstverantwortlichen Menschen heranreifen zu können.

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